• Die Kreditanstalt für Wiederaufbau - nicht für Großunternehmen in Schieflagen gegründet, aber oft schon Retter in der Not

Wirtschaft : Die Kreditanstalt für Wiederaufbau - nicht für Großunternehmen in Schieflagen gegründet, aber oft schon Retter in der Not

Rolf Obertreis

Die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wird dem angeschlagenen Baukonzern Philipp Holzmann auf Wunsch der Bundesregierung ein Darlehen in Höhe von 150 Millionen Mark gewähren. Details über Verzinsung, Laufzeiten und Sicherheiten sind allerdings noch nicht geklärt. "Wir geben aber keine Geschenke", hieß es am Donnerstag bei der KfW. Zudem sei mit dem Darlehen keine Beteiligung an Holzmann verbunden. Ob die KfW auch mit der von Bundeskanzler Schröder versprochenen Bürgschaft betraut wird, war gestern noch völlig offen. Das gilt auch für die Frage, ob es nicht doch noch Probleme mit Brüssel gibt. Details der Finanzierung muss KfW-Vorstandssprecher Reich ohnehin noch mit den Holzmann-Managern abklären.

Die Unterstützung von klammen Unternehmen ist zwar nicht die ureigenste Aufgabe der KfW, aber sie hat in diesem Feld bereits Erfahrung sammeln können. 1967 war die KfW eine der Banken, die Krupp aus der Patsche halfen. Vor sechs Jahren stand das staatseigene Institut mit einem "maßgeblichen" Betrag der Saarstahl zur Seite. Auch in anderen Bereichen assistiert die KfW ihrem Eigentümer. Dies gilt vor allem für die Privatisierung von Lufthansa und Telekom. Dabei übernahm die Frankfurter Bank für den Bund eine Art "Parkhaus-Funktion": Sie nahm 1996 und 1997 Aktien der beiden Unternehmen in ihre Tresore und bescherte dem Bund damit schon vor der geplanten Veräußerung stattliche Einnahmen. Über zwei Milliarden Mark durfte sich der damalige Finanzminister Theo Waigel Ende 1996 freuen. "So was machen wir gerne", heißt es auch heute bei der KfW. "Damit verdienen wir schließlich Geld." Wehren kann sich die KfW - 80 Prozent der Anteile liegen beim Bund, 20 Prozent bei den Ländern - gegen solche "Zuweisungsgeschäfte" ohnehin nicht. Dies gilt wohl auch für den Fall Holzmann.

Aber eigentlich ist die KfW kein "Hilfsinstitut" für die Privatisierungspolitik des Bundes oder für das Stopfen von Bonner Haushaltslöchern. Sie soll in allererster Linie der deutschen Wirtschaft und hier wiederum dem Mittelstand unter die Arme greifen. Die Schieflage von Großkonzernen ist in diesem Hilfskonzept eigentlich nicht vorgesehen.

Die Wurzeln der KfW reichen zurück bis ins Jahr 1947. Damals einigten sich die britische und die amerikanische Militärregierung auf die Einrichtung einer "Loan Corporation" zur Finanzierung von Wiederaufbauprojekten in Deutschland. Ende 1948 wurde daraufhin die KfW gegründet. Wichtig wurde die Bank aber vor allem für die Umsetzung des Marshallplans in Deutschland und des damit verbundenen "European Recovery Program" (ERP). Von 1949 bis 1952 leitete die KfW Mittel im Gegenwert von 3,4 Milliarden Mark an westdeutsche Unternehmen weiter. Mit Zinsen und Tilgungen konnten bereits 1951 neue Programme aufgelegt werden. 1952 initiierte die KfW ihr erstes Förderprogramm für den Mittelstand.

Heute widmet sich die staatseigene Bank - die mit einer Bilanzsumme von über 315 Milliarden Mark und mit fast 1800 Mitarbeitern zu den großen Geldhäusern der Republik gehört - vor allem der Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen. Dabei werden die durch Steuergelder des Bundes verbilligten Kredite über normale Geschäftsbanken weitergegeben, in jüngster Zeit verstärkt auch für die Gründung junger Technologiefirmen. Auch beim Aufbau in Ostdeutschland, bei der Modernisierung von Plattenbauten spielt die KfW eine ganz entscheidende Rolle. 1999 wird sie vermutlich 13 bis 14 Milliarden Euro an mittelständische Firmen weiterreichen. Daneben finanziert die KfW den Export etwa von Schiffen oder Flugzeugen oder von Großprojekten im Ausland. Schließlich unterstützt sie im Auftrag des Entwicklungshilfeministers Projekte in armen Ländern.

Aufgrund ihrer hervorragenden Bonität kann sich die Bank Geld zu günstigen Konditionen besorgen und dies auch entsprechend günstig weitergeben. Gewinne, die bei der KfW anfallen, werden nicht an den Bund ausgeschüttet, sondern dienen den genannten Förderaufgaben.

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