Wirtschaft : Die Kriegslogik der Märkte

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Von Henrik Mortsiefer

Börsianer ticken anders. Böse Zungen meinen, sie ticken nicht ganz richtig. Während die Welt ängstlich die Stunden bis zum Kriegsausbruch im Irak zählt, feiern die Händler steigende Aktienkurse. Der Dax legt in vier Tagen rund 18 Prozent zu. Es ist von Erleichterung die Rede und vom Ende der Unsicherheit. Zugleich üben die Investoren Kriegsvokabeln: Die militärische Überlegenheit der USArmee werde Saddams Streitmacht vernichtend schlagen. Es wird ein kurzer Krieg, heißt es. Und ein kurzer Krieg ist gut für die US-Wirtschaft und gut für die weltweite Konjunktur. Kaufen, wenn die Kanonen donnern, lautet eine zweifelhafte Börsenregel. Diesmal haben die Anleger schon vor dem ersten Knall zugegriffen.

Doch die Kriegslogik der Börse könnte sich als Trugschluss erweisen, wenn es ganz anders kommt, als die meisten Marktteilnehmer hoffen. Kriege sind nicht planbar, und auch dieser Krieg wird – anders als US-Generäle uns weismachen – böse Überraschungen bringen. Führt dies aber dazu, dass der Feldzug länger als geplant dauert, wird es an den Börsen sehr schnell zu einem massiven Einbruch kommen. Auf 1,9 Billionen Dollar schätzen Ökonomen die Kosten eines langen Irak-Kriegs. Kosten, die – anders als beim letzten Golf-Krieg – zum größten Teil die US-Regierung und die labile amerikanische Volkswirtschaft zu tragen hätten.

Aber es sind nicht die möglichen Kriegskosten allein, die die Rechnung der Börse so riskant machen. Viel gravierender: An den Rahmendaten, zumal in Deutschland, hat sich nichts geändert. Die Aussichten auf einen baldigen Aufschwung sind vage geblieben. Die Strukturreformen stehen bisher nur auf dem Papier. Die Gewinne der meisten Unternehmen sind dürftig, die Geschäftsaussichten noch trübe. Für Kleinanleger kann das nur heißen: Diesen Kursaufschwung können sie getrost an sich vorbeiziehen lassen.

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