Wirtschaft : Die Krise erreicht die Autoindustrie

Alfons Frese

Siemens tut es und die Chemie auch, die Großbanken sind ganz groß dabei und in der so genannten New Economy begann es vor gut anderthalb Jahren: Stellenabbau mit der Sense. Hunderttausende von Arbeitsplätzen streichen die Firmen und inzwischen werden auch die ersten Green-Card-Inhaber arbeitslos. Allein die deutsche Schlüsselindustrie, der Automobilbau, hielt sich bislang mit schlechten Nachrichten weitgehend zurück - mal abgesehen von Opel; die Rüsselsheimer befinden sich auf Grund des Missmanagements der amerikanischen Mutter in der schwierigsten Situation seit 50 Jahren. Nun kündigt Daimler-Chrysler an, ein paar tausend Stellen in Deutschland streichen zu wollen. An der Ankündigung überrascht nur der Zeitpunkt; der Wettbewerber MAN hat bereits vor Wochen Pläne zur umfangreichen Personalkürzung vorgestellt. Der Lkw-Markt ist derart eingebrochen, dass eine deutliche Kapazitätsreduzierung auch beim Marktführer Daimler-Chrysler unumgänglich ist. Im November etwa wurden in Deutschland 17 Prozent weniger Lastwagen verkauft als im Vorjahresmonat. Damit passt sich der hiesige Markt den amerikanischen Verhältnissen an: Dort ist die Nachfrage derart eingebrochen, dass die Daimler-Lastwagentochter Freightliner in diesem Jahr einen Milliardenverlust einfährt und fast 12 000 Jobs streicht. So schlimm muss es hierzulande nicht werden. Daimler-Chrysler will ohne Entlassungen klarkommen und setzt auf flexible Arbeitszeit. In einigen Lkw-Werken wird Anfang des Jahres nur noch vier Tage die Woche gearbeitet. Mit dem gleichen Instrument stellt sich übrigens VW auf die Abschwächung der Pkw-Nachfrage ein; über flexible Arbeitszeiten sollen Entlassungen vermieden werden. In diesem Punkt hebt sich also die deutsche Vorzeigebranchen von vielen anderen ab: Anstatt massenhaft die Leute vor die Tür zu setzen, arbeiten sie halt weniger. Bis zum nächsten Aufschwung.

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