Wirtschaft : DIE KRISE IN SÜDOSTASIEN

Angesichts der Wirtschaftskrise in Südkorea hat Präsident Kim Young Sam am Mittwoch die Notbremse gezogen

SEOUL (dpa/AP/rtr).Er entließ Finanz- und Wirtschaftsminister Kang Kyong Shik, Nachfolger wurde der bisherige Handelsminister Lim Chang Yuel.Der Präsident entließ auch seinen Chefberater in Wirtschaftsfragen, Kim In Ho.Nachfolger wird Kim Young Sup, bisher Chef des Zollbüros. Der neuernannte Finanzminister Lim schloß in einer erster Stellungnahme zur Krise Gespräche über Stützungskredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht aus, betonte aber, daß diese Kredite zur Überwindung der Krise nicht unbedingt erforderlich wären.Zugleich kündigte er umfassende Reformmaßnahmen zur Unterstützung und Umgestaltung des lokalen Finanzmarktes an, mit denen die internationale Glaubwürdigkeit des Landes wieder gestärkt werden soll.Am Devisenmarkt hatte die Landeswährung Won zum dritten Mal in dieser Woche ein Rekordtief zum Dollar erreicht und andere Währungen der Region mitgerissen.Nachdem der Dollar auf 1035,50 Won kletterte, war der Handel am Mittwoch wiederholt eingestellt worden.Die Börse in Seoul reagierte auf die Nachricht über die Neubesetzung des Finanzministerpostens mit einem leichten Gewinn.Der Börsenindex legte um 7,93 auf 502,59 Punkte zu. Südkoreas Wirtschaft könne ohne IWF-Kredite auskommen, wenn ausländische Finanzinstitute helfend eingreifen, betonte Lim."Wenn es nötig ist, werden wir eine Anfrage an den IWF überdenken", sagte Lim der Presse.Der IWF sei gebildet worden, um den Mitgliedsstaaten zu helfen.Er sei jedoch zuversichtlich, von der internationalen Finanzgemeinschaft Hilfe zu erhalten.Südkorea habe bisher pünktlich seine Zinsen gezahlt."Die Stabilisierungsmaßnahmen scheinen jedoch ein wenig zu spät zu sein", räumte Lim ein. Seoul hatte bisher einen Milliardenkredit durch den IWF wie im Fall Thailands mit der Begründung ausgeschlossen, daß Südkoreas Wirtschaft größer und stark genug sei, um sich selbst aus der Krise retten zu können.Ein Kredit durch den IWF sei zudem mit weitreichenden Auflagen verbunden.Südkorea ist die elftgrößte Handelsnation. Der am Mittwoch vorgestellte Maßnahmenkatalog sieht vor, Fusionen und Übernahmen unter Banken und anderen Finanzinstituten durch die Bereitstellung von staatlichen Krediten zu erleichtern.Auch wolle die Regierung weitere 7,5 Billionen Won, umgerechnet rund 15 Mrd.DM, bereitstellen, um notleidende Kredite von angeschlagenen Banken aufzukaufen, hieß es in einer Erklärung des Finanzministeriums.Das Geld solle in einen bestehenden Fonds in Höhe von 2,5 Billionen Won fließen. Um besser auf Währungsturbulenzen zu reagieren, soll der Spielraum des koreanischen Won gegenüber Fremdwährungen erweitert werden.Bisher konnte der Won an einem Tag nur um 2,25 Prozent nach unten oder oben im Wert schwanken.Außerdem kündigte das Ministerium eine weitere Liberalisierung des Kapitalmarktes an, um mehr ausländische Investoren anzuziehen. Diese hatten zuletzt angesichts des schwächer werdenden koreanischen Won und des steigenden US-Dollar sowie aus Angst vor einem Zusammenbruch des koreanischen Finanzmarkts immer mehr Geld abgezogen.Zusätzlich beeinflußt durch die jüngsten Turbulenzen auf den süd- ostasiatischen Märkten ist der Seouler Börsenindex drastisch nach unten gerutscht.Seit Anfang des Jahres büßte die Seouler Börse 28 Prozent ein. Nach einer Kette von Zusammenbrüchen von führenden Industriekonzernen in diesem Jahr sitzen Südkoreas Banken und Finanzinstitute auf einem Berg hoher uneinbringlicher Kredite.Zuletzt war der Finanzmarkt durch den Konkurs des Autokonzerns Kia getroffen, der mit 9,5 Billionen Won (rund 19 Mrd.DM) bei einheimischen Banken verschuldet war.Ausländische Rating-Agenturen haben koreanische Banken bereits heruntergestuft.Die Banken haben nach Angaben von Marktbeobachtern in Seoul immer größere Schwierigkeiten, sich Kredite aus dem Ausland zu beschaffen. Ein von der Regierung ausgearbeitetes Gesetzespaket zur Reform des Finanzmarktes war zuletzt an den Bedenken der Opposition gescheitert.Die letzte Sitzung des Parlaments vor den nächsten Präsidentenwahlen im Dezember endete am vergangenen Dienstag, ohne daß die Gesetze durchgebracht wurden. Auch das Gipfeltreffen des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) nächste Woche im kanadischen Vancouver soll ganz im Zeichen der Finanzkrise stehen.Zur Diskussion steht unter anderem der ursprünglich japanische Vorschlag, einen regionalen Stabilisierungsfonds zu schaffen, was die USA jedoch ablehnen.Washington will seine 17 Partnerländer aus der Region beim fünften Apec-Gipfel vor allem auf eine Öffnung der Märkte drängen.Das Treffen der Staats- und Regierungschefs am Montag und Dienstag wird von einer zweitägigen Konferenz der Außen- und Handelsminister vorbereitet, die am Freitag beginnt. Hauptthema der Apec-Konferenz muß nach den Worten von US-Koordinator John Wolf nun sein, "wie sich die Wirtschaften der Region an die jüngsten Schwierigkeiten anpassen können, wie sie Reformen voranbringen können, wo sie notwendig sind, wie wir international zusammenarbeiten und koordinieren können, um dabei zu helfen, die Stabilität der Region wiederherzustellen und in Zukunft solche Episoden auszuschließen".Einen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) unabhängigen regionalen Hilfsfonds lehnen die USA ab.Wenn Länder von außerhalb Geld bekämen, müsse auch sichergestellt sein, daß diese Mittel für ein Strukturanpassungsprogramm und die Wiederherstellung der finanziellen Stabilität verwendet würden, erläutert Wolf. Der IWF ist nach Ansicht der USA am besten geeignet, ein glaubwürdiges Strukturanpassungsprogramm zu gewährleisten.Auch IWF-Direktor Michel Camdessus sprach sich bereits nachdrücklich gegen einen unabhängigen Rettungsfonds zur Lösung der asiatischen Finanzkrise aus. Für die USA ist die Marktöffnung eines der entscheidenden Themen.Wolf warnte davor, wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten die eigenen Märkte gegen ausländische Konkurrenz abzuschotten."Um weiter zu wachsen, müssen die Märkte geöffnet werden", unterstrich der US-Koordinator.Die USA wollen in Vancouver auf die Umsetzung der beim letzten Apec-Gipfel vor einem Jahr in Manila verabschiedeten ehrgeizigen Pläne drängen, die die Schaffung einer Freihandelszone im asiatisch-pazifischen Raum bis spätestens zum Jahr 2020 vorsehen.Ein beratender Apec-Ausschuß empfiehlt den Staats- und Regierungschefs, dazu die schrittweise Liberalisierung bestimmter Märkte zu beschließen, darunter die Märkte für Autos, Lebensmittel, chemische und pharmazeutische Produkte sowie Holz und Spielzeug.

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