Die Krise kommt an : Kein Handy, kein Auto

Vielen Europäern geht es wie ihren Staaten: Sie sind an der Belastbarkeitsgrenze angekommen. Ein Nachrichtenüberblick.

Smartphone adios: Angesichts von Wirtschaftskrise und rekordhoher Arbeitslosigkeit verzichten immer mehr Spanier auf ihr Handy. Allein im April sank die Zahl der Kunden um rund 380 000, teilten die Behörden am Freitag mit. Vor allem Prepaid-Nutzer stiegen aus. Besonders betroffen auf dem umkämpften Markt mit Dumpingpreisen sind die großen Anbieter Telefónica und Vodafone. So hat die Telefónica-Tochter Movistar in den vergangenen neun Monaten bereits 1,6 Millionen Kunden verloren.

Die europäische Schulden- und Bankenkrise ist nach dem ZDF-„Politbarometer“ das derzeit mit Abstand wichtigste Problem für die Bundesbürger. Mit Blick auf die Krise sagen 39 Prozent der Befragten, dass sie Angst um ihre Ersparnisse haben. Hingegen sorgen sich 46 Prozent nicht, 14 Prozent haben nach demnach keine Ersparnisse, und ein Prozent hat bereits Verluste erlitten.

Der EU-Automarkt gerät angesichts der Schuldenkrise immer stärker unter Druck. Im Mai verschlechterte sich die Lage noch einmal. Zu den größten Verlierern zählte erneut Opel (-12,3 Prozent). Insgesamt sanken die Pkw-Neuzulassungen in der EU zum Vorjahresmonat um 8,7 Prozent auf 1,1 Millionen Fahrzeuge, wie der europäische Branchenverband ACEA am Freitag mitteilte. Unter den einzelnen Ländern sank der Autoabsatz im Mai besonders stark in Spanien mit 8,2 Prozent und Italien mit 14,3 Prozent.

Die Aussicht auf eine Zentralbank-Intervention nach der Griechenland-Wahl hat die Renditen zehnjähriger spanischer Staatsanleihen am Freitag etwas abbröckeln lassen. Spanische Bonds wurden mit 6,840 Prozent verzinst und entfernten sich damit wieder von der kritischen Sieben-Prozent-Marke, die sie am Donnerstag erstmals übersprungen hatten. Ihre italienischen Pendants rentierten bei 6,001 Prozent nach 6,158 Prozent im Schlussgeschäfts des Vortages.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat das Euro-Krisenland Spanien zu weiteren Reform- und Sparbemühungen aufgerufen. Das Lohnniveau reagiere immer noch ungenügend auf die sehr hohe Arbeitslosigkeit. Im Finanzsektor plädiert der IWF beispielsweise für eine effizientere Bankenaufsicht. Zudem sollte die Einnahmeseite künftig eine größere Rolle spielen. So könnten die Staatseinnahmen über höhere Steuersätze – etwa bei der Mehrwertsteuer – gesteigert werden.

Vor der Wahl hat sich der französische Einzelhandelskonzerns Carrefour aus Griechenland zurückgezogen. Der griechischer Partner Marinopoulos werde den Anteil der Franzosen an der gemeinsamen Supermarktkette übernehmen, teilte das Unternehmen am Freitag in Paris mit. Carrefour begründete den Schritt mit den „Herausforderungen in Griechenlands derzeit vorherrschendem Wirtschaftsumfeld“. Für Carrefour bedeutet das eine Belastung in Höhe von 220 Millionen Euro.

Italiens Regierung hat am Freitag Maßnahmen von 80 Milliarden Euro angekündigt, um das Wirtschaftswachstum im Land anzukurbeln und Schulden abzubauen. Staatseigentum soll verkauft, speziellen Anleihen für Infrastrukturprojekte sollen ausgegeben werden. Zudem soll die Zahl der Mitarbeiter im Finanzministerium sinken. dpa/dapd/rtr

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