Wirtschaft : Die Krise kommt bei der Post an

Der Logistikkonzern muss seine Gewinnziele senken. Die Tochter Postbank schreibt sogar Verluste

Stefan Kaiser u. Rolf Obertreis

Frankfurt am Main / Berlin - Die Deutsche Post und ihre Tochter Postbank werden von den Folgen der Finanzkrise hart getroffen. Während die Postbank in diesem Jahr erstmals seit ihrem Börsengang 2004 mit einem Verlust rechnet, muss auch die Konzernmutter Post ihre Gewinnziele deutlich herunterschrauben.

Anders als ihre Banktochter, die von der Finanzkrise direkt betroffen ist, leidet die Post vor allem unter dem weltweiten Konjunkturabschwung. Besonders betroffen ist das US-Geschäft der Expresssparte DHL, für das die Post bereits nach früheren Angaben mit einem Milliardenverlust rechnete. Nun heißt es jedoch, auch die anderen Sparten, das Briefgeschäft und die Logistik, würden die bisherigen Prognosen nicht erfüllen.

Für 2008 senkte die Post ihre Gewinnerwartung um eine halbe Milliarde Euro von 2,9 auf 2,4 Milliarden Euro. Die bisherige Prognose von 3,4 Milliarden Euro für 2009 wurde ersatzlos gestrichen.

Die Verluste der Postbank sind in diesen Zahlen noch nicht einmal eingerechnet. Sie werden getrennt ausgewiesen, seit die Post im September den Verkauf ihrer Anteile an die Deutsche Bank vereinbart hat. Anfang 2009 soll die Deutsche Bank 29,75 Prozent der Postbank übernehmen. Darüber hinaus besitzt sie eine Option auf weitere 18 Prozent.

Das Geschäft soll trotz der Verluste bei der Postbank zustande kommen, wie beide Seiten am Montag versicherten. „Was im September gemeinsam vereinbart wurde, läuft auch trotz der Finanzmarktkrise planmäßig weiter“, sagte Postbank-Chef Wolfgang Klein in Frankfurt am Main. Auch in dieser Woche werde man sich wieder zusammensetzen, um über die gemeinsame Strategie zu beraten. Für die Deutsche Bank wird der geplante Einstieg allerdings etwas teurer, als zunächst vorgesehen. Weil die Postbank eine Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro braucht, die größtenteils von der Post gestemmt werden soll, werde sich der Kaufpreis des 29,75-Prozent-Pakets um 300 Millionen Euro auf 3,1 Milliarden Euro erhöhen, wie es am Montag in Bankenkreisen hieß.

Die Kapitalerhöhung bei der Postbank wurde nötig, weil die Finanzkrise das Eigenkapital der Bank ausgezehrt hatte. So war die Kernkapitalquote zuletzt auf 5,5 Prozent gesunken – ein auch im Vergleich zu anderen Banken extrem niedriger Wert. Aus dem Rettungsfonds der Bundesregierung will die Postbank dennoch zunächst kein frisches Kapital in Anspruch nehmen. Der Fonds sei absolut begrüßenswert, sagt Bankchef Klein. Trotzdem ziehe sein Haus eine privatwirtschaftliche Lösung vor, um das Eigenkapital wieder aufzubessern. Noch im vierten Quartal wird die Postbank knapp 55 Millionen neue Aktien zum Kurs von 18,25 Euro ausgeben und dafür gut eine Milliarde Euro einnehmen. Die Post wird dabei mindestens 50 Prozent der Aktien zeichnen.

Klein sprach vom abgelaufenen dritten Quartal als dem „schwierigsten Quartal seit Jahrzehnten“. Vor allem die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers hat die Postbank schwer getroffen. Insgesamt mussten für vom Ausfall bedrohte Schuldscheine und Anleihen von Lehman 364 Millionen Euro wertberichtigt und für die Risikovorsorge aufgewendet werden. Auch das Engagement bei isländischen Banken musste mit 31 Millionen Euro wertberichtigt werden. Zusammen mit weiteren Korrekturen auf Aktien- und Fondsbestände beliefen sich die Aufwendungen im dritten Quartal auf 470 Millionen Euro. Diese Belastungen konnten durch das nach wie vor gut laufende operative Bankgeschäft nicht ausgeglichen werden. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 449 Millionen Euro.

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