Wirtschaft : Die Krise macht kriminell Studie über Straftaten: Top-Manager kommen davon

Daniel Gratzla

Berlin - Wirtschaftskriminalität kommt deutsche Konzerne immer teurer zu stehen. Durchschnittlich 4,3 Millionen Euro betrug der Schaden für jedes aufgedeckte Delikt in den vergangenen zwei Jahren. Zwischen 2005 und 2007 waren es nur 1,6 Millionen Euro pro Delikt gewesen. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC) hervor. Insgesamt waren mehr als 60 Prozent der 500 befragten Großunternehmen von Betrug, Spionage oder Korruption betroffen.

Und es könnte noch schlimmer kommen: Angesichts der Wirtschaftskrise erwarten die Unternehmen laut PwC einen weiteren Anstieg der Wirtschaftskriminalität. So rechnen rund 40 Prozent der Befragten mit mehr Industriespionage und Kartellabsprachen. Jedes dritte Unternehmen erwartet, dass sich die Beschäftigten aus Sorge um ihren Arbeitsplatz zu mehr Straftaten hinreißen lassen. „Vor diesem Hintergrund überrascht, dass die befragten Unternehmen ihre Investitionen in Präventions- und Kontrollmaßnahmen kaum erhöhen wollen“, kritisierte PwC-Partnerin Claudia Nestler.

Die häufigsten Straftaten waren Betrug oder Unterschlagung (41 Prozent), vor Wettbewerbsdelikten wie Kartellabsprachen, Produktpiraterie und Datendiebstahl (39 Prozent). Die Wettbewerbsstraftaten verursachten mit durchschnittlich 5,8 Millionen Euro die höchsten Schäden. In 13 Prozent der Fälle meldeten die Unternehmen Korruption. „Die direkten Kriminalitätskosten sind aber oft nur die Spitze des Eisbergs“, sagt PwC-Partner Steffen Salvenmoser. Der Schaden für den Ruf des Unternehmens wiege oft deutlich schwerer. 44 Prozent der Firmen meldeten einen erheblichen Imageverlust infolge einer Straftat. In der Vorläuferstudie waren es nur 27 Prozent gewesen.

Bedenklich ist zudem, dass immer mehr Täter ungeschoren davonkommen. Nur gegen die Hälfte der Übeltäter stellten die Unternehmen Strafanzeige. Zuvor waren es noch 60 Prozent gewesen. Vor allem mit Top-Managern gehen die Unternehmen milde um. Nur ein Drittel der straffällig gewordenen Manager erhielt eine Anzeige. Bei mittleren Führungskräften traf es fast die Hälfte, Beschäftigte ohne Führungsaufgaben wurden am häufigsten angezeigt.

Studienautor Kai Bussmann von der Universität Halle-Wittenberg erklärte, Top-Manager könnten zwar damit rechnen entlassen, nicht aber vor Gericht gestellt zu werden. Die Unternehmen fürchteten das öffentliche Aufsehen und den damit verbundenen Imageverlust. „Zwar lässt sich die relative Milde gegenüber Tätern aus der Führungsetage auch mit rechtlichen und sachlichen Schwierigkeiten im Einzelfall erklären. Allerdings ist diese Praxis unter dem Gesichtspunkt der Glaubwürdigkeit und Vorbildfunktion des Managements äußerst problematisch“, kommentierte Salvenmoser das Ergebnis. Mehr als zwei Drittel der Täter sind Führungskräfte, die Hälfte stammt aus den Unternehmen selbst und fast alle sind männlich. Daniel Gratzla

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