Wirtschaft : "Die Kunden sollten jetzt lieber abwarten"

Die rot-grüne Regierung will die Besteuerung von Lebensversicherungen ändern. Das ist klar. Wie genau die Neuregelung aussehen soll, dagegen nicht. Fällt nur das Steuerprivileg - die Steuerfreiheit der Kapitalerträge in der Lebensversicherung nach einer Laufzeit von 12 Jahren - der Versicherungen oder werden auch andere Formen der Altersvorsorge steuerlich begünstigt? Wer jetzt Vorsorge treffen will, steht vor einer schweren Entscheidung: Auf welches Instrument soll man setzen? Heike Jahberg sprach darüber mit dem Versicherungsexperten der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Scholl. Herr Scholl, die Regierung will die Steuerfreiheit für alle nach dem 22. Juni abgeschlossenen Kapitallebensversicherungen abschaffen. Sollen die Kunden jetzt nur noch private Rentenversicherungen abschließen? Auf jeden Fall sollten Sie im Moment keine neue Kapitallebensversicherung abschließen, bis Gewißheit darüber besteht, wie die Neuregelung wirklich aussehen soll. Falls die Regierung jetzt tatsächlich aber nur noch private Rentenversicherungen steuerlich begünstigen will, hielte ich das für falsch. Denn wichtig für eine vernünftige Altersvorsorge ist doch, daß die Menschen beim Eintritt in das Rentenalter genug Kapital angesammelt haben, um für sich selbst zu sorgen. Wer eine private Rentenversicherung abschließt, ist an ein Unternehmen sein ganzes Leben lang gebunden. Erst zahlt man ein, dann erhält man die Rente. Selbst wenn Sie feststellen, daß das Unternehmen nichts taugt, müssen Sie bei diesem Versicherer bleiben. Wie ließe sich das ändern? Man müßte den Kunden ermöglichen, den Versicherer zu wechseln, ohne daß dieses die Steuerfreiheit der Bezüge gefährdet. Wir Verbraucherschützer plädieren aber darüber hinaus für ein weitergehendes Konzept: Die Regierung sollte beschließen, daß die Kunden alles, was der Vorsorge dient, auf ein "Altersvorsorge-Konto" packen können - also Immobilien, Aktien, Wertpapiere, Fonds und Versicherungen. Wenn Sie das dort Angesammelte bis zu einem bestimmten Lebensalter - 60 oder 65 Jahre - stehen lassen und es anschließend für ihre Altersabsicherung verwenden, sollten die Erträge steuerfrei sein. Wer vorher an das Konto geht und verfügt, muß Steuern zahlen. Ein solches Konto könnten Versicherer, Banken, Fondsgesellschaften oder die Bundesschuldenverwaltung führen. Werden nach den jüngsten Steuerplänen der Regierung jetzt Aktienfonds attraktiver? Das waren sie auch vorher schon. Auch bei Aktienfonds fällt nur in geringem Umfang Kapitalertragsteuer an: Der geringste Teil der Fondserträge besteht aus Dividenden, die versteuert werden müssen. Der Rest sind steuerfreie Kursgewinne. Wie sieht eine vernünftige Altersvorsorge aus? Sollte man verschiedene Vorsorgeformen kombinieren? Sie müssen zwischen einmaligen Anlagen und regelmäßigem Sparen unterscheiden. Bei der Einmalanlage - Immobilien oder Kapitalanlage - hängt es von Ihren Umständen ab, welche Form die sinnvollste ist. Das kann man nicht über einen Leisten schlagen. Wenn es um die regelmäßige Vorsorge geht, gibt es zwei einfache Produkte - Aktienfonds und Lebens- beziehungsweise private Rentenversicherungen, die Sie wählen können. Aber realisiert die Regierung ihre Steuerpläne, ist der Abschluß einer Kapitallebensversicherung nicht mehr sinnvoll. Die Lebensversicherer sagen, Fonds seien nicht so sicher wie ihre Produkte. Wenn man den Ablauftermin so legt, daß bis zur Rente noch fünf, besser zehn Jahre Zeit sind, in denen man gegebenenfalls niedrige Kurse aufholen kann, hat man schon einiges getan. Ist ein reiner Aktienfonds besser als ein AS-Fonds? Beim AS-Fonds sind festverzinsliche Wertpapiere beigemischt, das schmälert die Rendite. Daher ist ein reiner Aktienfonds zu Beginn der Anlage sinnvoller, allerdings mit einer Switch-Option, die Ihnen erlaubt, im zweiten Drittel langsam von der Aktien- in die Rentenanlage überzugehen. Die AS-Fonds machen das automatisch. Ich würde sagen: Wer keine großen Gedanken auf seine Fondsanlage verwenden will, kann einen AS-Fonds nehmen, wer pfiffiger ist, geht erst einmal in einen Aktienfonds und switcht dann allmählich rüber.

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