Wirtschaft : Die Kunden wehren sich (Kommentar)

Rolf Obertreis

Die Euphorie über die Bankenfusion ist längst verflogen. Das haben sich die Partner selbst zuzuschreiben. Deutsche und Dresdner Bank bewegen sich seit dem Tag eins nach der Ankündigung ihres Zusammenschlusses vor knapp drei Wochen auf einem schmalen Grad. Viele Fragen sind noch nicht beantwortet. Die neue Farbe der grünen Bank allein kann diese großen Defizite nicht übertünchen. Mit unbedachten Äußerungen schrecken die Vorstände beider Häuser die Mitarbeiter, die Kunden und die Aktionäre. Da erhebt Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer das Investmentbanking des Partners zum Juwel, ein paar Tage später schon schließt er einen Verkauf nicht mehr aus. Da will die Dresdner Bank all die Armen, die "nur" 200 000 Mark im Depot haben, in die neue Bank24 beordern, die künftig von der Allianz beherrscht wird. Der Bankkunde reagiert verärgert und schon will Vorstandsmitglied Joachim von Harbou wieder um jeden einzelnen Kunden kämpfen. Völlig überraschend wirft ein Vorstandsmitglied der Deutschen Bank den Hut, weil ihm angeblich auf einmal die Familie wichtiger erscheint. In den Banktürmen in Frankfurt rauft man sich die Haare ob der Peinlichkeiten, die sich der Partner auf der anderen Straßenseite leistet. Wieder einmal schimmert die Arroganz der Banker durch. Sie haben, so scheint es, ob der Milliarden und mittlerweile Billionen, die auf dem Spiel stehen, die Bodenhaftung verloren. Möglicherweise haben sie die unterschiedlichen Kulturen der beiden Häuser unterschätzt - wie auch die Hürden, die bei solch einer Mammutfusion überwunden werden müssen. Der Karren steckt jedenfalls gehörig im Dreck. Jetzt hilft nur noch eins: Schnell für Klarheit sorgen und offen, ehrlich und offensiv informieren - die Öffentlichkeit, jeden einzelnen Mitarbeiter, jeden Aktionär und vor allem auch jeden einzelnen Kunden. Wenn er nicht schon zur Konkurrenz übergelaufen ist. In Grün soll die neue Deutsche Bank erstrahlen. Derzeit ist nicht einmal matter Glanz erkennbar. Aber Grün ist die Farbe der Hoffnung.

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