Wirtschaft : Die Kunden ziehen ihr Geld bei Consors ab

mot

Berlin (mot/AFP). Der Discountbroker Consors hat stärker mit der Börsenflaute und der Verunsicherung der Anleger zu kämpfen als bislang angenommen. Das Nürnberger Unternehmen teilte am Donnerstag mit, die Zahl der über die Onlinebank ausgeführten Aufträge sei im dritten Quartal gegenüber den ohnehin schon schwachen Vormonaten nochmals um 22 Prozent auf nur noch 1,4 Millionen abgerutscht. Auch das bei Consors angelegte oder verwaltete Vermögen reduzierte sich um mehr als ein Viertel. Das Depot- und Einlagevolumen sank gegenüber dem zweiten Quartal um 27 Prozent von 8,48 Milliarden auf 6,23 Milliarden Euro (rund 12,15 Milliarden Mark). Die am Neuen Markt notierte Consors-Aktie büßte bis zum Nachmittag 5,4 Prozent ein.

Wegen der angespannten Lage will das Unternehmen bis Jahresende jeden vierten Arbeitsplatz abbauen. Zu den 175 Arbeitsplätzen, die ohnehin wegfallen sollen, kommen noch einmal 125 hinzu. Die insgesamt 300 Arbeitsplätze machen 27 Prozent der Belegschaft aus. Die Krise von Consors lässt sich auch an der schrumpfenden Zahl von Neukunden ablesen: Nur 15 000 wurden zwischen Juli und September gewonnen. 8200 Kunden hätten im dritten Quartal ihre Depots geschlossen. Die Gesamtzahl aller Depots betrage nun 555 540. Im Vierteljahr zuvor waren es noch 19 000 und im ersten Quartal 27 000. Während des Börsenbooms waren dagegen im Januar und Februar 2000 innerhalb von nur zwei Monaten 70 000 neue Anleger zu Consors gestoßen.

Consors leidet wie alle Discountbroker unter der anhaltenden Talfahrt an den Börsen. Analysten zufolge hat sich nach der Aktien-Euphorie Anfang 2000, bei der zum Teil blind gezeichnet wurde, vor allem bei den Privatanlegern Misstrauen eingeschlichen. Sie wollen nicht mehr vor allem billig zeichnen oder verkaufen, sondern beraten werden. Dies aber können die Discountbroker nicht leisten. Consors-Chef Karl Matthäus Schmidt bemühte sich am Donnerstag gleichwohl, seine Anteilseigner zu beruhigen: Consors habe mit Gewinnen von 1996 bis 2000 seine Leistungsfähigkeit gezeigt. Jetzt sei das Unternehmen wieder "auf dem besten Wege, zu dieser alten Form zurückzufinden". Es sei alles getan worden, um auch bei schlechter Marktlage 2002 wieder schwarze Zahlen schreiben zu können. Auch das Zurückschrauben des Marketingbudgets und die Trennung vom Call Center Berlin habe sich positiv auf die Bilanzen ausgewirkt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben