Wirtschaft : Die kuriose Beförderung des Norbert Pawlowsky

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Kurioses Stühlerücken bei der Bankgesellschaft Berlin. Ab September rückt Thomas Veit in den Vorstand des Not leidenden Instituts und verantwortet die Bereiche Bilanzen, Steuern, Rechnungswesen und das Immobilienkreditgeschäft. Wie der Konzern weiter mitteilt, übernimmt Controlling-Chef Norbert Pawlowski mehr Verantwortung: für das Großkunden- und Projektfinanzierungsgeschäft.

Seltsam, Pawlowsky zählt zu den wenigen verbliebenen langjährigen Vorständen, die die Notlage des Konzerns mit verantwortet haben. Und seine bisherige Aufgabe in der Bank, die Kontrolle der Risiken, löst er nur mangelhaft.

Dadurch drohen weitere Verluste. Vor „Abschluss der laufenden Projekte“, schreiben die Wirtschaftsprüfer der PwC Deutsche Revision in ihr Testat zum Jahresabschluss 2001, sei der „Risikocontrollingprozess“ nicht zu beurteilen. Bisher habe die Bank nur „Zielformulierungen“ vorgelegt. Die Kontrolle der Immobilienkredite versage; auch der so genannte Adressenausfall ist mangelhaft: Die Banker erkennen nicht rechtzeitig, wann Kunden Konten überziehen oder Schulden nicht zurückzahlen können. Besonders schwer wiegen die Mängel angesichts des krisengeschüttelten Immobilienmarktes. Denn viele Schuldner der Bank gerieten durch den Preisverfall in Not und können Zinsen nur durch den Verkauf ihrer Immobilien bezahlen. Dadurch nimmt der Anteil so genannter Blankokredite bei der Bankgesellschaft zu, so dass das Institut im Fall von Pleiten nicht auf das Vermögen der Schuldner zurückgreifen kann.

Kredite im Wert von rund 31 Milliarden Euro gewährte der Konzern Kunden aus dem Bereich der gewerblichen Immobilienfinanzierungen. Um auf Pleiten unter den Bauträgern vorbereitet zu sein, legte die Bank 2,5 Milliarden Euro zur Seite. Das ist wenig. Einen fast doppelt so hohen Anteil ihrer Forderungen gegen Berliner Firmen anderer Branchen hat das Institut durch Wertberichtigungen abgesichert. Die geringere prozentuale Vorsorge bei Immobiliendarlehen könnte ihre Ursache darin haben, dass das mangelhafte Controlling nur einen Teil der Problemfälle ausfindig macht. Dass die wirtschaftliche Lage der Branche besser ist als die anderer Unternehmen, glauben die Prüfer jedenfalls nicht: „Die Lage auf dem gewerblichen Immobilienmarkt und die oft schwache Eigenkapitalbasis der Kunden führte zu einer weiteren Verschlechterung der Bedienungsfähigkeit“ der Darlehen. Im Klartext: Viele Schuldner können ihre Kreditraten nicht mehr oder nur teilweise bezahlen. Zusätzliche „operationelle Risiken“ in Pawlowskis Abteilungen drohen laut PwC wegen der Sanierung der Bank zu entstehen. Mitarbeiter, die auf Grund ihrer Qualifizierung andere Arbeitgeber finden, verlassen die Bank. Andere werden entlassen. Betroffen seien „unter anderem die Bereiche Finanzen, Konzernrevision und zum Teil die Bereiche Risikomanagement der Markt- und Adressenausfallrisiken.“ Ralf Schönball

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