Wirtschaft : Die Kurse schleichen sich nach oben

Stefan Kaiser

Lange konnte sich der deutsche Aktienmarkt im August nicht entscheiden, in welche Richtung er will. Die uneinheitlichen Halbjahreszahlen der Unternehmen zogen den Leitindex Dax mal nach oben, mal drückten sie ihn in den Keller. Erst ab Mitte des Monats kämpfte sich der Dax still und leise Richtung 6000 Punkte – ohne dass spektakuläre Nachrichten die Kurse trieben. Am Ende des Monats stehen immerhin 24 der 30 Dax-Konzerne auf der Gewinnerseite. Insgesamt legte der Index um 3,3 Prozent zu.

Ein Grund für die Erholung könnte die gestiegene Gewissheit bei den Zinsen sein. Seit die amerikanische Notenbank Fed Anfang August auf eine Zinserhöhung verzichtet hat, ist die Angst ein wenig gewichen. In den USA rechnet man nun mit einer längeren Zinspause, in Europa wird es wohl noch zwei Erhöhungen im laufenden Jahr geben – im Oktober und Dezember.

Auch der Ölpreis hat sich von seinen Höchstständen inzwischen wieder entfernt. Wegen der politischen Spannungen im Nahen Osten bleibt er aber ein Unsicherheitsfaktor für die kommenden Monate.

Viele Experten sehen die Entwicklung der Aktienmärkte weiter pessimistisch: Die Strategen der Helaba Trust weisen auf die geringen Umsätze im Markt hin und sehen darin eine verbreitete Unsicherheit der Anleger über den weiteren Konjunkturverlauf. „Die Frage nach dem Ausmaß der konjunkturellen Verlangsamung wird in den kommenden Monaten vermutlich noch an Brisanz gewinnen“, heißt es in ihrem Monatsbericht. Deshalb werde es besonders darauf ankommen, gezielt die richtigen Aktien auszusuchen.

Im August waren die Papiere der Hypo Real Estate die erfolgreichsten im Dax, gefolgt von Fresenius Medical Care. Die kurze Liste der Verlierer führt die Deutsche Telekom an. Ihre Quartalszahlen hatten die Anleger schwer enttäuscht. Deshalb wird jetzt sogar über einen Abgang von Konzernchef Kai-Uwe Ricke diskutiert.

Auch für die Tui-Aktie lief es im vergangenen Monat nicht gut. Vorstandschef Michael Frenzel präsentierte den Anlegern schlechte Nachrichten aus beiden Unternehmenssparten: Im Touristikgeschäft sanken die Umsätze, bei der Containerschifffahrt brach der Gewinn überraschend stark ein.

Schaut man auf die Statistik, dürfte für den gesamten Markt ab jetzt eine gute Zeit anbrechen. Zwar gab es im September häufig ein Minus an der Börse. Anleger, die im Herbst ein- und im Frühjahr aussteigen, haben aber in der Vergangenheit deutlich mehr Gewinn gemacht als jene, die umgekehrt handelten. Die Börsenweisheit „Sell in May and go away“ („Verkaufe im Mai und hau ab!“) hat sich in diesem Jahr bereits bewahrheitet. Vielleicht trifft ja auch der zweite Teil diesmal zu: „...but remember to be back in September“ („... aber denk daran, im September zurückzukommen“).

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