Wirtschaft : „Die Kurse sind zu hoch“

Fondsmanager Bruns warnt vor Finanzinvestoren

Herr Bruns, stehen wir vor einem neuen Crash an den Aktienmärkten?

Wir stehen nicht vor einem Crash. Aber es könnte sein, dass gewisse Segmente des Marktes derartig überhitzt sind, dass Ungemach ins Haus steht.

Welche Segmente meinen Sie?

Finanzinvestoren können sich heute sehr viel Geld sehr schnell und sehr einfach leihen und so fast jedes Unternehmen der Welt übernehmen. Die gezahlten Preise sind derartig hoch, dass man nicht sicher sein kann, dass nicht alles wieder zusammen fallen wird.

Wo liegt die Gefahr für die Aktienmärkte?

Finanzinvestoren beladen die übernommenen Unternehmen mit Schulden und schrauben so den Finanzhebel nach oben. Wer das tut, erhöht aber gleichzeitig auch die Risiken. In guten Zeiten geht das alles. Sollte es aber mal weniger gute Zeiten geben, dann hat man auf einmal zu kämpfen. Insofern ist das Risiko an der Börse gestiegen, auch wenn man das gar nicht so sehr an der Bewertung sieht.

Die Kurse sind also gar nicht zu hoch?

Die Aktienkurse sind zu hoch, aber nicht exzessiv zu hoch. Die Börsen sind voll bewertet. Strukturell sind die Unternehmen heute aber besser aufgestellt als vor fünf oder sechs Jahren. Die haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Hat sich seit dem Platzen der Börsenblase im Jahr 2000 auch die Stimmung geändert?

Die Deutschen verstehen nach wie vor das Thema Aktienanlage eigentlich gar nicht. Sie wollen schnell reich werden und verstehen nicht, dass die Zeit der größte Partner des Investors ist. Nirgendwo gibt es einen so großen Derivate-Markt wie in Deutschland. Gleichzeitig ziehen sich die Anleger immer mehr aus Aktien und Aktienfonds zurück. Es sind die Ausländer, die den deutschen Aktienmarkt treiben. Selbst die Hedge-Fonds kümmern sich mittlerweile rührend um Deutschland. Aber täuschen wir uns nicht: Wenn das Halali in die andere Richtung geblasen wird, sind die Gelder auch schnell wieder abgezogen.

Sehen sie noch Luft nach oben?

Sofern weiter billiges Geld an den Markt strebt, ist das möglich. Aber mit den Kursen steigt das Risiko. Da bedarf es nur eines externen Auslösers, etwa in China oder in Russland, und es kann schnell mal 20 Prozent nach unten gehen.

Christoph Bruns (40), einst gefeierter Fondsmanager bei Union Investment, arbeitet heute beim kleinen Fondsanbieter Loys. Mit dem Experten für Aktienblasen sprach Stefan Kaiser.

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