Wirtschaft : Die langen Schatten der Ära Piëch

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Von Alfons Frese

Das Jahr hat gerade begonnen – und ist schon gelaufen. Hauptsache einigermaßen durchkommen, sagt sich VWChef Bernd Pischetsrieder und weist auf den schwachen Absatz in aller Welt (Ausnahme China) hin, und auf den starken Euro, der den Export erschwert. Da mit Golf und Passat die wichtigsten Autos der Wolfsburger in die Jahre gekommen sind, müssen teure Preisnachlässe helfen. Und die neuen Autos haben noch nicht eingeschlagen. Das gilt vor allem für den Oberklassewagen Phaeton, der von der Mercedes S-Klasse und dem 7er BMW abgehängt wird. Der Geländewagen Touareg bekommt immerhin glänzende Kritiken. Doch ist das Verkaufsziel von 200000 Einheiten im Jahr für den Minivan Touran realistisch?

Der Touran symbolisiert das VW-Dilemma: Weil das Aufmotzen der Produktpalette (Bentley, Phaeton und Touareg) enorm viel Geld und Entwicklungsressourcen kostete, mussten in der Ära Piëch andere Segmente vernachlässigt werden. Während Konkurrenten mit den Minivans Zafira (Opel) und Mégane (Renault) erstaunliche Erfolge feierten, konzentrierte sich Piëch auf Luxusnischen. Apropos Opel: VW hat in den letzten Jahren auch deshalb gut gelebt, weil sich der Wettbewerber aus Rüsselsheim von Krise zu Krise schleppte. Das ist vorbei: Der Opel Meriva steht vor der Tür, ein Auto für Polo-Fahrer. Und der Vectra-Kombi wird dem Passat Anhänger abjagen. Schließlich treten die Klassiker Golf und Astra gegeneinander an; der neue Astra sieht schnittig und modern aus, der Golf eher so wie immer. Alles in allem ist der Angriff von VW auf Mercedes und BMW vorerst gescheitert. Dafür greift Opel jetzt VW an. Das wird mehr als ein schweres Jahr für Pischetsrieder.

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