Wirtschaft : Die Last der Statistiker mit dem wahren Leben

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Hat die Euro-Einführung das Leben deutlich verteuert? Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen dagegen: Die Inflationsrate in Deutschland betrug im Januar 2,1 Prozent. Nur zwei Prozent, wundert sich der Verbraucher. Denn im Supermarkt werden zurzeit horrende Preise für Obst und Gemüse verlangt. Die Schachtel Zigaretten verteuerte sich aufgrund der Erhöhung der Tabaksteuer um 40 Pfennige oder 20 Cent. Und auch in Restaurants und Gaststätten wird für Speisen und Getränke erheblich mehr verlangt.

Die offizielle Preissteigerungsrate wird mit Hilfe eines so genannten Warenkorbes gemessen. Dieser ist gefüllt mit rund 750 Produkten und Dienstleistungen - von Lebensmitteln über den Kraftstoff bis zum Haarschnitt. Die Preise werden Monat für Monat in den selben Geschäften erhoben. Dazu schwärmen immer zur Monatsmitte die Mitarbeiter der Statistischen Landesämter in 118 west- und 72 ostdeutschen Gemeinden aus. Insgesamt knapp 400 000 Preise kommen so zusammen.

Diese gewaltige Datenmenge wandert schließlich zum Statistischen Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden. Gewichtet nach ihrem Anteil an den Verbrauchsausgaben eines durchschnittlichen Haushaltes fließen sie dann in die amtliche Statistik ein. Nahrungsmittel werden im Warenkorb mit 13,1 Prozent bewertet, alkoholische Getränke und Tabakwaren nur mit 4,2 Prozent. Miete und Nebenkosten machen dagegen 27,5 Prozent aus. So erklärt sich auch, dass die statistisch gemessene Verteuerung der Lebenshaltung nicht immer mit der subjektiv wahrgenommenen Preissteigerung übereinstimmt. Mieten sind einfach nur von Mark in Euro umgerechnet worden - das blieb ohne jeden Einfluss auf die Inflationsrate. Frisches Obst und Gemüse ist dagegen im Januar um bis zu 100 Prozent teurer als im gleichen Monat des Vorjahres. Grund: schlechte Ernten in südlichen Ländern. Dieser gewaltige Preisschub macht sich jedoch im Warenkorb wegen der geringen Gewichtung nicht so stark bemerkbar.

Hinzu kommt: Die Preisaktionen des Handels zum Jahresauftakt sind nicht erfasst worden. So hatte der Textilhändler C & A mit Einführung des Euro eine - unter Wettbewerbern umstrittene - Rabattaktion gestartet, andere Handelsketten waren gefolgt. Auch die breiten Preissenkungen während des traditionellen Winterschlussverkaufs des Handels machten sich im Warenkorb nicht bemerkbar. Solche Preissenkungen außer der Reihe sind durch die Begrenzung des Erhebungszeitraumes auf die Mitte des Monats nicht berücksichtigt.

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