Wirtschaft : Die Lebensversicherung boomt

Deutschlands Marktführer Allianz kann sein Neugeschäft kräftig ausbauen / Betriebsrente läuft gut

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Berlin/Stuttgart (hej). Das Vertrauen der Deutschen in die Lebensversicherung scheint ungebrochen. Deutschlands größter Lebensversicherer, die Allianz Leben, erreichte im vergangenen Jahr Rekordzuwächse bei ihren Neuabschlüssen. Wie Vorstandschef Gerhard Rupprecht am Mittwoch in Stuttgart mitteilte, konnte die Allianz Leben 2003 ihre Neubeiträge um 25,9 Prozent steigern und lag damit deutlich über dem Branchenschnitt. „Jeder fünfte Euro im Neugeschäft ging an unser Unternehmen“, sagte Rupprecht.

Während sich die Neubeiträge im Bereich der Kapitallebensversicherung um 62 Prozent auf 324 Millionen Euro erhöhten, lief das Geschäft mit der staatlich geförderten RiesterRente enttäuschend. Die Allianz konnte 2003 nur 52300 Riester-Verträge verkaufen, das entspricht lediglich einem Zehntel des Vorjahresabsatzes. Dennoch warnte Rupprecht davor, die Riester-Rente totzureden. Stattdessen sollte man die Förderung ausweiten und das Zulagenverfahren vereinfachen, schlug der Allianz-Leben-Chef vor. Dagegen boomte die betriebliche Altersvorsorge. Hier stiegen die Neubeiträge um mehr als 65 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

Der positive Trend hielt nach Angaben Rupprechts auch in den ersten Monaten dieses Jahres an. Im Januar und Februar konnte die Allianz die Neubeiträge um 12,2 Prozent verbessern. Zwar erwarte der Konzern auch für das laufende Jahr ein gutes Neugeschäft, sagte Rupprecht, doch hänge das erheblich von den steuerlichen Rahmenbedingungen ab. Der Finanzausschuss des Bundestages berät derzeit darüber, ob und wie Lebensversicherungen künftig besteuert werden.

Trotz der langen Börsenflaute stockte das Unternehmen seine Reserven um 400 Millionen Euro auf fünf Milliarden Euro auf. Anders als viele Konkurrenten sei die Allianz nicht gezwungen gewesen, während des Börsentiefs im vergangenen Frühjahr Aktien zu verkaufen, hieß es. In der zweiten Jahreshälfte habe das Unternehmen wieder selektiv Aktien zugekauft. Die Aktienquote lag am Jahresende bei 12,9 Prozent.

„Die Krise der Lebensversicherer ist noch nicht ausgestanden“, sagte dagegen Branchenkenner Manfred Poweleit dem Tagesspiegel. Zwar hätten die meisten Versicherer die Aktienkrise inzwischen verdaut, „vielen Unternehmen macht aber das niedrige Zinsniveau zu schaffen“, sagte der Herausgeber des Branchendienstes „map-Report“. Die Versicherer müssten für einen erheblichen Teil ihrer Altverträge Garantiezinsen von vier Prozent zahlen, erzielen an den Kapitalmärkten mit langfristigen Anleihen aber gerade einmal 3,55 Prozent Rendite.

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