Wirtschaft : Die Leipziger Messe zehrtvon ihrem altem Ruhm

Vor 500 Jahren verlieh Kaiser Maximilian I.das Messeprivileg

VON MANFRED SCHULZE, LEIPZIGVor 500 Jahren, am 20.Juli 1497, unterzeichnete Kaiser Maximilian I.ein für die Zukunft Leipzigs wichtiges Dokument: Die jährlich drei Messen an der Pleiße sollten fortan die einzigen im weiten Umkreis bleiben.Der kaiserliche Eingriff in den freien Wettbewerb der damals nahezu gleich großen Städte Magdeburg, Halberstadt, Meißen, Merseburg oder Naumburg mit Leipzig schaltete die Konkurrenten aus: Leipzig wurde führend, bis zum Ende des 19.Jahrhunderts die große Krise der Warenhandelsmessen auch diese Stadt traf. Die wissenschaftliche Konferenz an der Leipziger Universität, die jüngst aus Anlaß des 500jährigen Messeprivilegs stattfand, wollte aber keine direkten Parallelen zur Gegenwart ziehen, auch wenn heute das Wort Krise mit der Leipziger Messe verbunden wird."Schließlich kam der eigentliche Aufstieg Leipzigs", meint der Wirtschaftshistoriker Hartmut Zwar, "erst mit dem praktischen Ende des Konkurrenzausschlusses".Als nämlich 1895 ein Neustart mit der Mustermesse und ab 1920 die Verbindung mit den großen Industrieverbänden gelang, schlugen die Sachsen die zahlreichen aus dem Boden sprießenden Messeplätze um Längen. "In den Zeiten der größten Messenot hat es immer die wichtigsten Innovationen für uns gegeben", gibt sich Messesprecher Rolf Huber optimistisch.Dazu gehöre einmal mehr die neue Architektur des Geländes, die mittlerweile für die anderen Messeneubauten im Lande Maßstäbe setze.Diese Innovation kostet aber zunächst Milliarden, die zu erheblichen Teilen vom Steuerzahler aufgebracht werden müssen.Nun müsse man sich "inhaltlich weiter profilieren".Im nächsten Jahr werden deshalb acht neue Messen ihre Premiere erleben, darunter die bereits international stark nachgefragte Veranstaltung Geobit, die sich mit der computergestützten Kartographie und deren Anwendungsfeldern beschäftigt, sowie eine Kinder- und Jugendmesse.Daß Leipzig bald wieder in die Gruppe der größten Messeplätze aufsteigt, ist hingegen nicht zu erwarten."Wir wollen im Kreis der zehn wichtigsten Ausstellungsorte mitspielen", gibt sich Huber bescheiden.In einigen Branchen und auch bei der Ausrichtung auf den Osten habe man jedoch schon wieder einen Platz ganz weit vorn: "Beim Auto, der Mode und auch dem Bau haben wir Berlin eindeutig hinter uns gelassen", meint Huber.Auch wenn diese Branchen eher konventionell als innovativ zu nennen sind, werden sie noch über Jahre den neuen Glaspalast wirtschaftlich tragen müssen, sofern das nicht mit immer neuen Subventionen geschieht. Von "Messemüdigkeit" wollte auf der Konferenz aber niemand reden.Auch im Zeitalter der Datenkommunikation werden wir "noch das 600.Messeprivileg-Jubiläum feiern können", sagt der Kommunikationswissenschaftler Günter Bentele."Die reale Messe mag künftig den vernetzten Computer am Messestand als unverzichtbar erachten, aber sie wird damit ebensowenig überflüssig, wie das Papier im Büro."

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