Die lieben Kollegen : Willkommen im Club

Vom Angeber bis zur Tratschtante: In jedem Büro sitzen Chefs oder Kollegen, die einem den letzten Nerv rauben. Welche Typen es gibt – und wie man auf sie reagiert.

von
Der Typ Schleimer. Er ist artverwandt mit dem Opportunisten und dem Blender. Besonders Chefs sollten sich vor ihm hüten.
Der Typ Schleimer. Er ist artverwandt mit dem Opportunisten und dem Blender. Besonders Chefs sollten sich vor ihm hüten.Fotolia

Man kann ihnen nicht entkommen. Die cholerische Chefin, der alles ins Lächerliche ziehende Abteilungsleiter, die unsympathische Schleimerin am Schreibtisch nebenan: Sie begleiten uns vom Berufseinstieg bis zur Rente, sitzen mit uns im Büro, sind unsere Kollegen oder Vorgesetzten – und lassen unseren Arbeitsalltag mitunter zur Qual werden. Experten erklären, welche Typen es gibt, und geben Handlungsempfehlungen für einen entspannten Umgang mit skurrilen Mitmenschen.

DER ANGEBER

Mein Haus. Mein Auto. Meine Familie. Nach diesem Motto prahlt der Angeber nicht nur mit beruflichen Triumphen, sondern stellt sich in allen Lebensbereichen als der Stärkste, der Schlauste und der Erfolgreichste dar. „Ein klarer Fall von Profilneurose“, sagt Jochen Mai, Berater, Buchautor und Gründer des Blogs Karrierebibel.de. „Er versucht sich durch seine Angeberei aufzuwerten, glaubt allerdings selbst nicht so recht an seine Erfolge, denn sonst würde er die für sich sprechen lassen.“

Die Möglichkeiten, mit ihm umzugehen, erstrecken sich von „einfach ignorieren“ bis hin zum therapeutischen Loben. Die Chance, dass er dann aufhört, stehen etwa 50 zu 50.

Ein klarer Fehler im Umgang mit dem Angeber ist es, den angeblichen Erfolgen eigene gegenüberzustellen. „Das schaukelt sich sonst zu sehr hoch und es gibt einen Nerven zehrenden Wettkampf ohne Ende“, sagt Jochen Mai.

DER CHOLERIKER

Tobende Chefs sind wohl am ehesten die Spezies, an die man bei diesem Menschenschlag denkt. Aber auch Kollegen können zum Ausflippen neigen, wenn etwas nicht so klappt, wie sie es wollen. Nur tut es dann oft nicht so weh. Jochen Mai rät davon ab, im Wutanfall zu intervenieren, sei es mit Argumenten oder mit einem kollegialen Ratschlag wie „jetzt entspann dich mal“. „So eine Botschaft kommt nicht an“, sagt der Berater. Stattdessen sollte die Standpauke des Bosses ruhig und selbstbewusst zur Kenntnis genommen werden, indem man ihm zum Beispiel weiter in die Augen schaut, anstatt den Blick abzuwenden und auf den Boden zu sehen.

Eine gute Strategie ist es laut der Frankfurter Stil- und Etikettetrainerin Lis Droste, das tobende Gegenüber dazu zu bewegen, sich hinzusetzen. „So bringt man etwas Ruhe in die Situation und beide Gesprächspartner befinden sich auch körperlich auf einer Ebene.“ Das rät sie zum Beispiel Bankern, die es mit echauffierten Kunden zu tun haben.

Thematisiert werden sollte der Ausraster, wenn sich die Wogen wieder geglättet haben, zum Beispiel bei einer Tasse Kaffee. Mit Ich-Botschaften wie „Ich kann mit deiner Art des Kontrollverlustes schwer umgehen“ oder „Sie haben sich neulich im Ton vergriffen und ich empfand das als respektlos“ kann der Choleriker nachträglich auf sein Verhalten angesprochen werden.

DER SCHLEIMER

Artverwandt dem Opportunisten und dem Blender fehlt diesem Kollegentypus das Vertrauen in die eigene Leistung. Warum sonst muss er sich bei allen Menschen durch Komplimente beliebt machen? „Es handelt sich hierbei oft um unsichere Menschen, die sich sorgen, dass ihre Leistung vielleicht nicht ausreicht und daher umso mehr um die Gunst der Menschen buhlen, von denen sie sich einen Vorteil erhoffen“, sagt Jochen Mai. Vor allem Chefs müssen sich davor schützen, auf Schleimer hereinzufallen. Das tun sie am besten, indem sie keinen Mitarbeiter auf Grund von Sympathie bevorzugen. „Chefs müssen wissen, dass sie von ihren Mitarbeitern selten die volle Wahrheit präsentiert bekommen – und von den Aussagen ihrer Mitarbeiter immer ein bisschen abziehen. Schließlich hat jeder von ihnen ein Interesse daran, sich und seine Leistung im besten Licht darzustellen“, sagt Jochen Mai.

Andererseits sollte man hinterfragen, ob nicht auch ein Chef mal Lob verdient. „Aus Angst, als Schleimer abgetan zu werden, trauen sich viele Mitarbeiter erst gar nicht, zu loben, und beneiden dann den Schleimer darum, es getan zu haben.“

DER SCHERZKEKS

Eigentlich eine harmlose Spezies ist dieser Typ, der immer alles ins Lächerliche zieht. „So einen Klassenclown braucht jedes Büro“, sagt Jochen Mai. „Nur wenn die Witze Überhand nehmen oder anzüglich werden, wird es schwierig.“ Der Grund für dieses Verhalten können sowohl Verlegenheit, als auch eine alberne Art sein, die aber durchaus auch strategisch motiviert sein kann, zum Beispiel indem er mit seinen Witzen andere oder sich selbst abwertet. Dann kann er Fremdschäm-Reaktionen hervorrufen.

Auch hier gilt es, den Kollegen zur Seite zu nehmen und ihn nicht in der Situation auf sein Verhalten anzusprechen. Sonst würde er sein Gesicht verlieren. Ein Tipp von Kollege zu Kollege, dass seine Witze vielleicht gar nicht so lustig, sondern oft peinlich sind, kann dem Witzbold vielleicht helfen, seine Albernheit neu zu reflektieren.

DER STREBER

Im Gegensatz zum Schleimer zeichnet sich der Streber dadurch aus, dass er durch gute Leistung statt durch Komplimente punkten will. „Diese Gruppe hat in den letzten Jahren einen Imagewandel erlebt“, findet der Berliner Coach und Kommunikationstrainer Karsten Noack. Nerds, die sich in ihrem Arbeitsgebiet unheimlich gut auskennen, sind mit ihrem Expertenwissen wieder gefragt. Allerdings haben sie oft ein Problem damit, ihre Expertise anderen Leuten mitzuteilen und sich in Teams einzugliedern.

„Für die Führungskraft muss es dann darum gehen, diese Menschen in den Arbeitsalltag stärker einzubinden und in Teams ihre Position finden zu lassen“, rät Noack.

DAS LÄSTERMAUL

Die neue Frisur der Kollegin, der Scheidungskrieg des Chefs oder eine fachliche Nachlässigkeit eines Kollegen: Der Lästerer stürzt sich auf die Schwächen anderer, dichtet gerne eigene Thesen hinzu, die sich nach dem Stille-Post-Prinzip durch die Abteilungen verbreiten. „Man muss unterscheiden zwischen dummem und strategischem Lästern“, sagt Karsten Noack. „Während es beim dummen einfach in der Natur liegt, sich über andere auszulassen, möchte das strategische Lästermaul seine Position verbessern, sich selbst in besserem Licht darstellen und Macht ausüben.“ Bevor man mitmacht, sollte man sich gut überlegen, ob man zu seinen Aussagen auch noch später festgenagelt werden kann, rät Karsten Noack.

Für Lis Droste ist Diskretion das oberste Gebot im Arbeitsalltag. „Auch wenn eine Lästerei unter Kollegen kollegial zusammenschweißen mag, sollte man trotzdem klar dagegen Position beziehen, indem man sagt, dass man damit nicht behelligt werden will.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar