Wirtschaft : Die Lufthansa senkt die Preise

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Berlin (fo/fw). Die Deutsche Lufthansa senkt die Tarife auf innerdeutschen und europäischen Strecken. Grund ist die scharfe Konkurrenz durch Billig-Airlines. So will die Deutsche BA zu Werbezwecken ab heute sogar 20-Euro-Flüge anbieten. Nach Informationen des Tagesspiegel reduziert die Lufthansa in den nächsten Tagen die Preise für besonders schwach ausgelastete Flüge, im Herbst gibt es ein neues Tarifkonzept.

Wenn Lufthansa-Chef Jürgen Weber in einer Woche am 19. Juni in Köln vor seine Aktionäre tritt, wird er ihnen nicht nur von einem überraschend guten Start in das Geschäftsjahr 2002 berichten, sondern auch über Pläne für neue Preismodelle. Geplant ist nach Informationen des Tagesspiegel aus Unternehmenskreisen, die sehr schwach ausgelasteten Mittagsflüge durch attraktive Preisangebote besser auszulasten. Dabei wird der jetzt billigste Tarif von 141 Euro für Hin- und Rückflug auf innerdeutschen Strecken einschließlich aller Gebühren deutlich auf 111 Euro reduziert. Dieser Preis gilt teilweise sogar für attraktive Tagesrandverbindungen. Damit ist die Lufthansa durchaus konkurrenzfähig mit den Kampfpreisen der Deutschen BA, die einschließlich Nebenkosten zu nachfragestarken Zeiten zumeist auch über 100 Euro für Hin- und Rückflug liegen. Auf den europäischen Strecken sollen die Preise im Herbst gesenkt werden.

Auf den innerdeutschen Flügen reagiert der deutsche Marktführer mit den neuen Preismodellen auf die wachsende Konkurrenz durch die Deutsche BA und die Germania. Lufthansa-Chef Weber hat sich das Treiben der Billig-Flieger bislang in Ruhe angesehen. Nach seiner Meinung wird das Konzept der Anbieter in Deutschland nicht aufgehen, weil die Konkurrenten sich nicht voll auf das Billigsegment wie Ryanair oder Easyjet konzentrieren. Das Kerngeschäft der Germania ist noch immer das Chartergeschäft, und die Deutsche BA fliegt, anders als Ryanair, die großen, teuren Flughäfen an. Doch auch Weber scheint jetzt klar zu werden, dass sich alle Fluggesellschaften nach den Ereignissen des 11. September etwas einfallen lassen müssen, um ihre Maschinen auszulasten.

In der gewinnträchtigen Business-Klasse sind die Buchungen wieder auf dem alten Stand. Aber in der Economy-Klasse nutzen die Kunden die preiswerten Alternativen. Experten sagen den Billigfliegern bis 2010 einen Marktanteil von 25 Prozent voraus – um den muss auch die Lufthansa kämpfen.

Die Deutsche BA mischt seit dem 1. April mit einem völlig neuen Tarifkonzept in den Markt auf. Jetzt sogar mit Flugpreisen ab 20 Euro pro Strecke - plus Gebühren und Steuern, allerdings ohne Rücksicht auf Anschlussflüge hat es die defizitäre Tochter von British Airways geschafft, ihre Maschinen oftmals randvoll zu füllen.

Mit ihrem neuen Tarifsystem hat die Deutsche BA der Lufthansa bereits Kunden weggeschnappt: Seit der Einführung sei der Marktanteil der Fluggesellschaft auf den angebotenen Verbindungen um 6,3 auf 42,3 Prozent gestiegen, sagte eine Sprecherin der Deutschen BA dem Tagesspiegel. Die Auslastung hat ihr zufolge um neun Prozent zugelegt. In Konkurrenz zur Lufthansa fliegt die Deutsche BA zum Beispiel auf den viel beflogenen Strecken wie Berlin-München oder Berlin-Düsseldorf/Köln. Ihre Preise hatte die Deutsche BA im April um durchschnittlich 30 Prozent gesenkt. Ob man weniger als für einen Lufthansa-Flug ausgibt, hängt jedoch von der Strecke, der Tageszeit und dem Wochentag ab, denn die Nachfrage bestimmt das Preisniveau. Die Deutsche BA wirbt mit ihrem Niedrigstgrundtarif von 35 Euro ohne Steuern – möchte man Freitag abends fliegen, kann der Preis auch schnell auf den Höchsttarif von 237 Euro klettern.

Auch die Germania setzt die Lufthansa mit ihren niedrigen Preisen unter Druck: Zwischen Köln und Berlin fliegt sie für 77 Euro, Steuern inklusive, auf der Strecke Berlin- Frankfurt für 99 Euro. Ab November wird die Billigkonkurrenz für die Lufthansa noch stärker, denn dann fliegt die Germania ebenfalls auf den Strecken München-Berlin und München-Hamburg. Die Germania hat bereits zweimal ein Urteil des Bundeskartellamts gegen die Lufthansa erwirken können: Auf der Strecke Frankfurt-Berlin müssen die Lufthansa-Flüge mindestens 30,5 Euro teurer als die Germania-Tarife sein. Die Germania hatte der Lufthansa vorgeworfen, sie mit Dumping-Preisen vom Markt vertreiben zu wollen. Zudem entschieden die Bonner Wettbewerbshüter, dass die Lufthansa der Germania am Frankfurter Flughafen Abflugrechte übertragen muss.

Zum Erfolgsrezept der Billigflieger zählen auch preiswertere Buchungen per Internet oder Telefon, mit geringstem Verwaltungsaufwand. Diesen Preisvorteil geben die Airlines an ihre Kunden weiter. Auch hier will die Lufthansa es ihren neuen Konkurrenten offenbar gleichtun: Sie plant, diesen Vertriebsweg verstärkt zu nutzen. Bereits im April hatte die Lufthansa wegen schwacher Buchungszahlen ihren Internetauftritt übersichtlicher gestaltet.

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