Wirtschaft : Die M-Dax-Werte profitieren vom Konjunkturaufschwung

Thomas Luther

Die Fabel kennt fast jedes Kind: Als Hase und Igel zu einem Wettrennen antreten, kann der Hase so schnell laufen wie er will - stets ist der Igel vor ihm am Ziel. Zugegebenermaßen hat der Igel einen Trick, indem er seine Frau vom Hasen unbemerkt ins Rennen schickt. Doch davon abgesehen hat die Konkurrenz zwischen Wachstums- und Substanztiteln an der Börse durchaus etwas von dem legendären Wettstreit.

In diesem Jahr sahen viele Experten solide Traditionsunternehmen schon vor einem Comeback, nachdem die Kurse am Neuen Markt kräftig eingebrochen waren. Doch am Ende des Jahres werden sie sich wohl wieder den Wachstumswerten geschlagen geben müssen. Auch 2000 wird sich nach Ansicht der Experten von Dresdner Kleinwort Benson Research daran nicht viel ändern. Bei dem Mix aus anziehender Konjunktur, leicht sinkenden Rohstoffpreisen und einem freundlicheren Rentenmarkt sehen sie auf Grund der Vergangenheit das bessere Ende erneut bei den Werten am Neuen Markt.

Für die einzelnen Titel ist die allgemeine Wirtschaftsentwicklung von zweitrangiger Bedeutung "Unternehmen mit wirklich innovativen Produkten wie zum Beispiel Aixtron mit seinen Verbindungshalbleitern oder Singulus mit der CD-Technologie erzielen auch dann zweistellige Zuwachsraten, wenn die Konjunktur schlecht läuft", analysiert Karl Fickel von Invesco. Auch aus anderen Gründen wird der Neue Markt im nächsten Jahr wohl weiterhin im Rampenlicht stehen. "Das Interesse an Wachstumswerten ist unverändert hoch - auch bei den institutionellen Anlegern", weiß der Manager des Invesco Neue Märkte.

Nach den Kurszuwächsen der vergangenen Jahre kommt kaum noch eine Versicherung oder Fondsgesellschaft am Neuen Markt vorbei, wenn es im neuen Jahr um die Verteilung der Anlagemittel - die so genannte Asset Allocation - geht. Spätestens im Januar werden Fickel und seine Kollegen dann wahrscheinlich wieder vor einer Geldschwemme stehen, die es anzulegen gilt. Zehn oder 20 Millionen Euro - für Großinvestoren wirklich nur Peanuts - können aber kaum am Neuen Markt platziert werden, ohne die Kurse nach oben zu treiben. "Wer in den Neuen Markt einsteigen will, sollte das jetzt tun", rät deshalb Kurt Ochner, Fondsmanager bei Julius Bär.

Auch die Flut von Neuemissionen wird das Interesse der Anleger wach halten. Vor allem aus dem bislang unterrepräsentierten Bereich Biotechnologie drängen neue Kandidaten an die Frankfurter Wachstumsbörse. Dagegen ist Vorsicht angebracht bei Neulingen, deren Sparten am Neuen Markt bereits gut vertreten sind - zum Beispiel IT-Dienstleister. "Die bringen kaum noch einen added-value", glaubt Fickel. Kurschancen sehen Fickel und Ochner jedoch bei bereits gelisteten Software- und IT-Titeln. Deren Geschäfte leiden in diesem Jahr darunter, dass die Kunden mit den Umstellungsproblemen auf den Jahrtausendwechsel zu kämpfen hatten. Folge: Es wurde repariert statt investiert. "2000 werden diese Investitionen nachgeholt", glaubt Fickel.

Bei zahllosen Neuemissionen der letzten Monate zeigt sich schließlich spätestens im nächsten Frühjahr, was das Management mit dem Geld aus dem Börsengang gemacht hat. "Nicht alle Aktien werden die in sie gestellten Erwartungen erfüllen", ist sich Köttner sicher. Herbe Kurseinbrüche sind dann nicht ausgeschlossen.

Anleger, die auf den Konjunkturaufschwung setzen, werden eher im M-Dax als am Neuen Markt fündig. Im Gegensatz zu den breit diversifizierten Konzernen gibt es dort etliche Unternehmen, die sich auf ihr originäres Geschäftsfeld konzentrieren - "pure plays", wie es im Börsenjargon heißt. Spezialmaschinenbauer wie IWKA oder Jungheinrich profitieren zum Beispiel von den besseren Exportaussichten der Branche wesentlich stärker als Linde oder MAN. Darüber hinaus locken viele M-Dax-Werte mit einer günstigen Bewertung. "Eine Hugo-Boss- oder Fresenius-Stammaktie ist angesichts der guten Kennzahlen immer noch spottbillig", beobachtet Peter Conzatti, Fondsmanager bei UBS Invest. Im Schnitt sind die Titel der zweiten Reihe mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 bewertet. Beim Dax liegt das Verhältnis bei 22.

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