Wirtschaft : Die Macher

Auf der Berlinale werden sie den roten Teppich wieder Schauspielern und Regisseuren überlassen. Dabei läuft kein Film ohne sie

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Vorbilder. Wie es geht, haben der jüngst verstorbene
Vorbilder. Wie es geht, haben der jüngst verstorbeneFoto: picture-alliance/ dpa

„Produzenten – die galten damals ja als Rechenknechte“, sagt Klaus Keil. Mit „damals“ meint der Direktor des Erich Pommer Instituts für Medienforschung in Potsdam die Blütezeit des Jungen Deutschen Films in den 60er und 70er Jahren. Als Autorenregisseure wie Wim Wenders, Rainer Werner Fassbinder oder Werner Herzog Werke mit weltweiter Strahlkraft schufen. Dass daran auch Produzenten beteiligt waren, vergaßen nicht zuletzt die Schöpfer selbst gern. „Die Haltung war: Die sollen mal das Geld besorgen, und ich als Künstler mache dann meinen Film damit“, so Keil.

Heute hingegen hält sich ein anderes Klischee. „Männer in gesetztem Alter mit dicken Zigarren, dicken Autos und einem dicken Haus“, so beschreibt Produzent Karsten Aurich, Betreiber der Produktionsfirma Sabotage Films, das Zerrbild vom machtstrotzenden Tycoon. „Mit der Realität hat das nichts zu tun. Jedenfalls nicht mit der der Mehrheit.“

Auch wenn sie bekannte Filme machen, die Gesichter der Produzenten sind dem breiten Publikum meist unbekannt. Auch auf der Berlinale, die am Donnerstag beginnt, werden sie einmal mehr auf dem Roten Teppich den Schauspielern und Regisseuren den Vortritt lassen.

Dazu verspricht ihr Job in der Regel nicht mal viel Geld. Zumindest der Produzenten-Nachwuchs wird entsprechend desillusioniert: „Wenn ihr reich werden wollt, seid ihr hier falsch“, hörte Martin Lischke, Absolvent des Studiengangs Film- und Fernsehproduktion an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) Konrad Wolff in Babelsberg, gleich zu Semesterbeginn.

Tatsächlich sind selbstständige Filmproduzenten – die man von festangestellten „Producern“ bei Fernsehsendern unterscheiden muss – auch die Geldbeschaffer eines Projekts. Bloß öffnen sie dafür nicht den hauseigenen Safe.

„Es gibt kaum eine Filmproduktion, die mit eigenem Kapital in die Finanzierung geht“, sagt Bodo Knapheide, Studienleiter an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Meist setzt sich ein Etat aus Fernsehsender-Mitteln, Filmförderung sowie privatem Kapital, das etwa Verleiher zuschießen, zusammen. Wie man Förderanträge stellt, welche Bedingungen an die Subventionen geknüpft sind, wie man eine Bankbürgschaft bekommt, all das gehört zum Know-how eines Produzenten.

Er ist aber zugleich, und das wird oft übersehen, auch Initiator und maßgeblicher Begleiter des kreativen Prozesses. In der Regel ist es der Produzent, der einen Stoff findet und entwickelt, der den Nerv der Zeit treffen soll. Und der dann das passende Team aus Regie, Kamera, Schauspielern zusammenführt.

Das Organisatorisch-finanzielle der Dreharbeiten wickeln Herstellungs- oder Produktionsleiter ab. Aber in der Postproduktion, wenn der Film am Schneidetisch, mit Musik und Ton versehen, seine endgültige Gestalt erhält, kommt der Produzent wieder ins Spiel. Und schließlich obliegt ihm die Verwertung: Kinoverleih, DVD-Vertrieb, Verkäufe ins Ausland.

Zusammengefasst ist der ideale Produzent also ein kreativer Manager mit guter Spürnase für Geschichten. Er kann seine Stoffe pitchen, sprich: an den Mann bringen und hat ein Händchen für die Besetzung. Er ist eine Autorität in der Durchführung und Konfliktlösung und muss vom Marketing und Vertrieb Ahnung haben. „Von diesen Super-Produzenten habe ich in meinem Leben nicht viele erlebt“, sagt Klaus Keil. Einer der wenigen dieser Superproduzenten sei der jüngst verstorbene Bernd Eichinger gewesen. Auch Regina Ziegler und Artur Brauner dürften dazu gehören.

Wie man ein Superproduzent wird, lässt sich indes nicht lernen. Man muss es aber auch nicht. „Wenn man zum Beispiel als Produzent kaufmännisch top ist, aber nicht in der Dramaturgie, dann sucht man sich dafür eine Partnerin oder einen Partner und gründet zusammen eine Firma – schon hat man ein perfektes Team“, rät Karsten Aurich. „Man muss nur rausfinden, wohin das Pendel bei einem stärker schlägt.“

Sicher, auch die Ochsentour, wie sie in der Branche heißt, der Weg über die Praxis also, ist möglich. Nennen darf sich ohnehin jeder Produzent, die Bezeichnung ist, wie die meisten Filmfachberufe, nicht geschützt. Ein Produktions-Studium hat indes Vorteile. „Wir versuchen, die Regisseure und Produzenten schon während des Studiums so zu vernetzen, dass Partnerschaften auch danach Bestand haben“, sagt Bodo Knapheide. Neugründungen kleiner Produktionsfirmen hätten es dennoch schwer. Er rät, möglichst spezifisch zu arbeiten, wie die Firma Schramm Film, die mit Werken der „Berliner Schule“ eine Marke geschaffen habe.

Viele Kommilitonen arbeiten heute projektbezogen als Produktionsleiter, sagt der HFF-Absolvent, Martin Lischke, in einem Job also, für den sie kein Studium bräuchten. Im Wesentlichen bedeute das Projektkalkulation und Budgetkontrolle – mit einem Wochenverdienst von mindestens 1500 Euro vor Steuern. Kein schlecht bezahlter Beruf immerhin.

Wer dennoch freier Produzent wird, kann sich mindestens auf eine 80-Stunden-Woche und ein unwägbares Einkommen gefasst machen. „An einem Film, den 50 oder 100 000 Leute im Kino sehen, verdient der Produzent schon mal nichts“, rückt Karsten Aurich die Relationen gerade. Das Risiko trägt er allein.

Dazu kommen die Widrigkeiten des Alltags, wie etwa zähe Verhandlungen mit Fernsehsendern, die Filme zum Niedrigpreis ordern wollen, sagt der Pressesprecher des Interessen-Verbandes Produzentenallianz, Jens Steinbrenner.

Zudem ist die Konkurrenz groß, die großen deutschen Filmschulen entlassen pro Jahr sechs bis zehn Produzenten.

„Es ist kein glamouröses Business, es ist ein Knochengeschäft“, betont Klaus Keil vom Erich Pommer Institut. Er sagt aber auch: „Wenn man einen Film herausbringt, der funktioniert, gibt es keine größere Erfüllung.“

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