Wirtschaft : Die Macht der Netze: Unter den Dot.coms finden sich immer mehr Dot.gones

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Anfang des Jahres hat man ihnen jede noch so fantastische Story abgenommen und sie mit reichlich Kapital versorgt. Aus den virtuellen Stories sollte irgendwann einmal Realität und Gewinn werden. Inzwischen hat sich bei den Internetfirmen und den Anlegern Ernüchterung breitgemacht. Zwar wächst die Zahl der Internetnutzer (inzwischen gibt es 18 Millionen in Deutschland) und der Webseiten weiter an. Doch im immer dichter werdenden Netzgewirr wird immer unklarer, womit die vielen neuen Dot.coms eigentlich Geld verdienen sollen. Die ersten Dot.gones geraten in die Schlagzeilen, Internetfirmen wie etwa Boo.com oder Gigabell, die viel Geld verbrannt haben und dann aufgeben mussten. Selbst der Kaufhaus-Konzern Karstadt scheiterte mit seinem Internetshop Mywold.de.

"Man kann mit dem Internet Geld verdienen, aber nicht im Internet", sagt Ulrike Bettge, Investmentberaterin bei Arthur Andersen. "Das Internet ist nichts anderes als ein neuer Vertriebsweg." Auch hier ließe sich nicht mehr Marge verdienen als außerhalb des Netzes und die vielen kleinen Onlinehändler hätten einfach zu wenig Kunden. Ihnen fehle die kritische Masse. Durch immer mehr Firmen im Netz hat die Wettbewerbsintensität zugenommen, nicht zuletzt auch durch die Transparenz im Netz. Mit einer guten Marke kann man aber auch im Internet Geld verdienen. "Wer offline stark ist, wird auch online stark sein."

Ein anderes Konzept geht dagegen nicht auf: Mit kostenlosem Zugang ins Internet wollten Firmen viele Kunden ins Netz locken, steigende Besucherzahlen sollten dann die Werbeeinnahmen in die Höhe treiben. "Die Einnahmen durch Werbebanner gehen zurück", sagt Bettge. "Es klickt keiner mehr darauf. Die Zeiten, in denen sich die Leute durchs Netz treiben ließen, sind vorbei." Chancen sieht Bettge vor allem für Firmen, deren Geschäfte in Zukunft nur noch über das Netz funktionieren - wie etwa der Makler, der seine Wohnungsangebote ins Internet stellt und Kunden unnötige Besichtigungstermine erspart.

Wer im Netz Geld verdienen will, müsse dem Kunden echten Mehrwert bieten, sagt auch Heiko Bienek von Independent Research. Jeder Anbieter brauche dazu Inhalt. Bisher seien die Nutzer gewohnt, dass Informationen im Netz nichts kosten. Auch in Zukunft werde der Kunde nicht bereit sein, für allgemeine Infos zu bezahlen. Banale Auskünfte wie etwa der Stand von Aktienindizes, werde es auch in Zukunft kostenlos geben. Für hochwertige Tipps, welche Aktie erfolgversprechend ist, müsse der Kunde dagegen bezahlen. "Wieviel er allerdings zu zahlen bereit ist, das ist die große Unwägbarkeit", sagt Bienek. Auch er ist überzeugt, dass sich nur die großen Namen, die Marktführer durchsetzen werden.

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