Wirtschaft : Die mächtigen Heuschrecken

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SPRACHROHR TCI

Der 2004 gegründete britische HedgeFonds TCI (The Children’s Investment Fund) versteht sich als Sprachrohr der mächtigen neuen Großaktionäre der Deutsche Börse AG. Der Fonds mit Sitz auf den Cayman-Inseln, der ein Vermögen von 3,3 Milliarden Euro verwaltet, soll davon rund 500 Millionen Euro bei der Deutschen Börse investiert und damit gut acht Prozent der Aktien erworben haben. Der Name von TCI erklärt sich so: Der Fonds spendet – abhängig von einer bestimmten Rendite – ein Prozent des Vermögens an Kinder in Entwicklungsländern. 2004 waren es 20 Millionen Euro.

KRITIK UND EINFLUSS

TCI-Chef Christopher Hohn brach mit dem branchenüblichen Schweigen und kritisierte den Börsen-Vorstand und -Aufsichtsrat öffentlich, als diese versuchten, die Londoner Börse LSE zu übernehmen. Stattdessen drängten TCI und andere große Fonds auf eine Ausschüttung in Milliardenhöhe. Vergangene Woche kündigte die Börse nun an, 1,5 Milliarden Euro in den kommenden zwei Jahren an die Anteilseigner auszuzahlen – ein Erfolg der Kritiker. Niemals zuvor hatten Fondsgesellschaften in Deutschland so massiv Einfluss auf die Strategie eines Unternehmens und die personelle Zusammensetzung der Führungsspitze genommen.

DIE MITGESELLSCHAFTER

Neben TCI (rund acht Prozent) halten der US-Hedge-Fonds Atticus (5,5 Prozent), die US-Investmentbanken Merrill Lynch (drei bis vier Prozent) und Fidelity (weniger als fünf Prozent) sowie die Capital Group (zehn Prozent) Anteile an der Deutschen Börse. Es wird kolportiert, dass die Kritiker der Börsenspitze zusammen auf 35 Prozent der Aktien kommen. Genug, um die Geschicke des Finanzplatzes zu beeinflussen. mot

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