Wirtschaft : Die Mär vom straffen Po

Reebok zahlt Millionen wegen irreführender Werbung – zu Unrecht, findet Miriam Schröder

Es klang zu schön, um wahr zu sein. Turnschuhe, die Po- und Beinmuskeln straffen, ganz einfach, beim Spazierengehen. Genial, dachten sich Millionen Frauen. Einen knackigen Hintern wünscht sich schließlich jede, die älter ist als 20. Und was sind schon 100 Euro für ein paar Schuhe, wenn man sich nicht mehr beim Sport quälen muss? Für Reebok wurde es dennoch ein teures Versprechen. Wegen des Verdachts auf irreführende Werbung muss die Firma jetzt 25 Millionen Dollar zahlen, rund 18,5 Millionen Euro.

Es sei keine Lüge gewesen, verteidigt sich die Adidas-Tochter. Man wolle nur einen Rechtsstreit mit der US-Handelsbehörde FTC vermeiden. Die Schuhe namens Easy Tone und Run Tone haben eine spezielle Sohle, die die Muskeln zum Arbeiten bringen soll. Die FTC überprüfte die Aussagen aus der Reebok-Werbung, nach der das Tragen der Easy Tones die Muskelkraft um bis zu 28 Prozent verstärkt. Die Behörde kam zu dem Ergebnis, dass der Effekt nicht nachzuweisen sei.

Das hätten wir Frauen den Beamten auch ohne aufwändige Tests sagen können. Wer schön sein will, muss leiden. Das Sprichwort lernen alle kleinen Mädchen, wenn ihnen die Eltern die langen Haare kämmen. Wenn wir groß sind, fallen wir trotzdem auf die aberwitzigsten Versprechen rein. Wir trinken Diätcola, weil wir dünn sein wollen, kaufen probiotische Joghurts, weil sie gesund sein sollen. Ganz zu schweigen von all den Cremes und Shampoos, die wir ausprobieren, weil wir jedes Mal wieder hoffen, wir würden hinterher so aussehen wie die Models in der Werbung. Es klappt nie. Doch auf dem Weg zwischen Laden und Zuhause fühlen wir uns richtig gut.

Vielleicht lassen wir uns einfach gerne belügen. Warum sonst wären wir bereit, das Doppelte für einen Haarschnitt zu bezahlen, wenn uns der Friseur während der Kopfmassage noch Komplimente macht? Die Männer sind da übrigens nicht besser. Wozu braucht man immer schnellere Autos und immer neue Handys mit immer mehr Funktionen? Wozu eine Jeans, die Flecken hat, und Löcher?

Nächste Woche will Apple angeblich ein neues iPhone vorstellen. Schon das Gerücht versetzt die Kunden in Erregung. Apple ist cool, für dieses Image hat der Konzern viel Geld in sein Marketing gesteckt. Und bekommt noch mehr Geld zurück. Dafür darf der Kunde teilhaben an dem Kult, auch ein bisschen cool sein.

Wo bitte liegt nun der Unterschied zwischen dem Versprechen auf Coolness und dem Versprechen auf einen straffen Po? Außer, dass man das Eine messen kann und das Andere nicht? Wenn es die Werbung nicht gäbe, bräuchte der Mensch wahrscheinlich sowieso nicht mehr als Wärme, Liebe, Essen und Trinken. Das wäre aber doch irgendwie langweilig. Darum gibt es ja auch noch dieses Sprichwort: Wer’s glaubt, wird selig.

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