Wirtschaft : Die Märkte ignorieren schlechte Nachrichten

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Die Aktienkurse steigen weiter. Auch am Dienstag verzeichneten Dax und Nemax 50 kräftige Gewinne. Nach einer ebenfalls freundlichen Handelseröffnung der New Yorker Börse legten die deutschen Werte bis zum Börsernschluss zu. Um 20 Uhr notierte der Dax um 1,8 Prozent höher bei 4704 Punkten. Der Neue Markt legte um 4,5 Prozent auf 1071 Zähler zu. "Die Investoren wollen in den Markt", sagte Bernd Meyer, Aktienstratege der Deutschen Bank. "Viele haben die ersten zehn Prozent des Kursanstiegs verpasst und steigen jetzt noch ein." Sollte es zu keinen neuen "makroökonomischen oder politischen Schocks" kommen, sei eine Rückkehr zu den Tiefstständen am 21. September wenig wahrscheinlich, glaubt Meyer. Dennoch rät der Aktienexperte zur Vorsicht: "Ohne Pause wird auch dieser Aufschwung nicht sein." Die einlaufenden Zwischenberichte der Unternehmen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres böten genügend Nahrung für Kurskorrekturen.

"Solange der Status Quo aufrechterhalten wird - es also keine deutlich negativen Nachrichten gibt - scheint der Markt gut mit dieser unsicheren Zeit fertig zu werden", sagte Peter Coolidge, Chef-Aktienhändler bei dem US-Unternehmen Brean Murray & Co. An der New Yorker Wall Street notierte der Dow-Jones-Index kurz nach 21 Uhr etwas leichter bei 9322 Punkten, der technologielastige Nasdaq-Composite-Index erlor ebenfalls rund 0,3 Prozent auf 1702 Zähler an. Der marktbreite S & P-500-Index gab um 0,7 Prozent auf 1082 Punkte nach.

Zwar liegen die deutschen und amerikanischen Aktienindizes derzeit immer noch um 20 Prozent unter den Ständen, die sie zu Jahresbeginn 2001 hatten, doch einen solch drastischen Anstieg wie in den vergangenen drei Wochen hat es in den vergangenen 25 Jahren in einem so kurzen Zeitraum an den Aktienmärkten nicht gegeben. Wenn schlechte Unternehmensnachrichten keinen Einfluss mehr auf die Aktienkurse haben, muss das allerdings nicht unbedingt eine Trendwende für die Märkte signalisieren. Einige Analysten halten weitere Kurseinbrüche für möglich, andere sind optimistischer. In dieser Woche haben schlechte Nachrichten die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen allenfalls kurzfristig belastet: Ob Europas größter Chemiekonzern BASF, die niederländische Großbank ABN Amro, der Spezialchemie-Hersteller Ciba oder der französische Einzelhändler Pinault Printemps - sie alle veröffentlichten negative Nachrichten. Während dies vor wenigen Wochen noch zu massien Kurseinbrüchen geführt hätte, zeigten sich die Kurse der betroffenen Unternehmen diesmal nahezu immun.

Die Marktteilnehmer hoffen nun, dass die Welle der Gewinnwarnungen abebbt und die US-Wirtschaft im kommenden Jahr wieder die Konjunkturlokomotive der Weltwirtschaft sein wird. Angesichts von neun Zinssenkungen der US-Notenbank und den Steuererleichterungen in zweistelliger Milliarden-Dollar-Höhe geht die Mehrheit der Analysten davon aus, dass sich die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks 2002 erholen wird. Und davon dürften auch die Unternehmensgewinne profitieren.

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