Wirtschaft : Die Manager strecken die Hand aus (Kommentar)

Rolf Obertreis

Die Fusion von Dresdner und Deutscher Bank hat für die Beschäftigten einen hohen Preis: 16 300 Arbeitsplätze werden gestrichen. Allein bei der Deutschen Bank 24 soll mehr als ein Viertel der Jobs wegfallen. Betriebsräte und Gewerkschaften müssten entsetzt sein und sich gegen diese drastischen Einschnitte entschieden zur Wehr setzen. Und doch zeichnet sich eine erstaunlich sachliche Auseinandersetzung ab. Die Arbeitnehmervertreter wissen längst, dass die Strukturen im Banksektor über kurz oder lang bereinigt werden müssen. Auf der anderen Seite ist den Vorständen der beiden Großbanken klar, dass ihr Zusammenschluss nur dann ein Erfolg werden kann, wenn die Mitarbeiter eingebunden und ihre Anliegen so weit wie möglich Berücksichtigung finden. Breuer und Walter wissen zudem, dass ihr Vorhaben politisch und sozialpolitisch brisant ist und nicht nur von den Mitarbeitern, sondern von der gesamten Öffentlichkeit mit Argusaugen verfolgt wird.

Mit ihrer bemerkenswerten 25-Punkte-Erklärung strecken die Manager die Hand aus. So beispiellos wie die Fusion ist die Bereitschaft und Offenheit der Banker, den Stellenabbau so weit wie möglich sozialverträglich zu gestalten. Während in der Bauindustrie immer noch über Öffnungsklauseln gestritten wird, wollen Management und Arbeitnehmer bei Deutscher und Dresdner Bank die Öffnungsklauseln nutzen. Sogar die Geldhäuser bieten die Verkürzung der Arbeitszeit an, um Arbeitsplätze zu sichern. HBV, DAG und die Betriebsräte wissen trotz aller Klagen über die harten Folgen der Fusion die Offenheit der Banker zu schätzen. Sie werden die Hand ergreifen und einen Fusionstarifvertrag aushandeln, der den Arbeitnehmern so weit wie möglich entgegenkommt. Allerdings: Keine andere Branche kann sich ein Entgegenkommen finanziell so gut leisten wie die Banken.

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