Wirtschaft : Die Mannheimer ist nicht zu retten

Auffanggesellschaft springt für Lebensversicherungen ein /Verband: Keine Nachteile für Kunden

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Berlin (hej). Die Rettungsgesellschaft Protektor bekommt Arbeit. Die Versicherungsaufsicht BAFin teilte am Donnerstagabend mit, dass die Verträge der Mannheimer Lebensversicherung auf die von der Versicherungsbranche gegründete Auffanggesellschaft übertragen werden. Damit dürfte ein Zusammenbruch der schwer angeschlagenen Mannheimer Leben kaum mehr zu vermeiden sein. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) betonte, die Kunden hätten dadurch keine Nachteile. „Der Protektor ist arbeitsbereit“, sagte GDVGeschäftsführer Klaus-Wilhelm Knauth.

„Die BAFin bedauert, dass die Rettungsversuche gescheitert sind“, erklärte die Aufsichtsbehörde nach einem Treffen mit GDV-Präsident Bernd Michaels und Mannheimer-Chef Lothar Stöckbauer. Eine Insolvenz der Mannheimer wäre die erste Pleite eines Lebensversicherers in Deutschland nach dem Krieg und könnte zum Zusammenbruch des gesamten Konzerns führen.

Ein Rettungsplan des GDV, der ohne die Einschaltung Protektors funktionieren sollte, war am Mittwoch gescheitert. Der Versicherungsverband hatte eine Kapitalspritze für das Unternehmen vorgeschlagen, konnte jedoch nicht die erforderliche Zustimmung von 90 Prozent der deutschen Lebensversicherer mobilisieren. Vor allem die deutschen Töchter ausländischer Versicherungskonzerne hatten dem angeschlagenen Konkurrenten keine Finanzhilfe geben wollen. „Die Stimmung war gedrückt“, berichtete ein Teilnehmer der Konferenz. Denn bislang hatte die Branche Problemfälle stets ohne großes Aufsehen intern gelöst.

Das ist ihr dieses Mal nicht gelungen. Anders als im Fall der Familienfürsorge verzichtete die BAFin bei der Mannheimer auf die Einsetzung eines Sonderbeauftragten, der das Unternehmen sanieren soll. Offensichtlich sieht die Aufsichtsbehörde für einen solchen Schritt kaum Erfolgschancen. Die Mannheimer Leben wird ab sofort kein Neugeschäft mehr betreiben. Die Kranken- und die Sachversicherung würden dagegen weiter geführt, betonte BaFin-Sprecher Peter Abrahams. Ob die Versicherungsgruppe mit diesen Sparten weiterarbeitet oder die Holding in die Insolvenz geht, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Die Mannheimer Lebensversicherung hatte sich am Kapitalmarkt verspekuliert. Der Gesellschaft fehlen in ihrem Deckungsstock (siehe Lexikon, Seite 18) 370 Millionen Euro. Die Großaktionäre, darunter die mit zehn Prozent beteiligte Münchener Rück, lehnen eine Übernahme des Versicherers ab.

Die Kunden der Mannheimer Lebensversicherung müssten sich um ihre Verträge aber keine Sorgen machen, betonte GDV-Geschäftsführer Knauth. Die Auffanggesellschaft Protektor (siehe Kasten) werde die Verträge weiterführen, auch die für die Vergangenheit garantierten Überschussbeteiligungen blieben erhalten. Dagegen bezweifelt die Ratingagentur Fitch, dass Protektor überhaupt arbeitsfähig ist. Aus Branchenkreisen sei zu hören, dass nur 70 bis 75 Prozent der deutschen Lebensversicherer bereit seien, Protektor das nötige Kapital zur Verfügung zu stellen. Zudem sei die Mannheimer sicherlich nicht der letzte Sanierungsfall, sagte Fitch-Analyst Marco Metzler dem Tagesspiegel. „Es ist wirklich Ernst, die Branche hat keine Lösung.“

Der Versicherungsverband weist diesen Vorwurf jedoch zurück. „Alle Lebensversicherer haben unterschrieben“, betonte Geschäftsführer Knauth. Das gelte auch für die Versicherer, die dem Rettungsplan am Mittwoch nicht zugestimmt hatten. Zudem reiche das Deckungskapital von Protektor auch für weitere Notfälle. „Die für die Mannheimer nötigen 370 Millionen Euro machen noch nicht einmal acht Prozent des gesamten Deckungskapitals von fünf Milliarden Euro aus.“

Auch für die bei der Mannheimer privat Krankenversicherten soll eine Lösung gefunden werden. „Es wird kein Euro an Alterungsrückstellungen verloren gehen“, sagte PKV-Geschäftsführer Weber dem Tagesspiegel. Das ist besonders für ältere Versicherte wichtig. Denn die angesparten Alterungsrückstellungen sorgen dafür, dass Beitragssteigerungen im Alter gedämpft werden. Einzelheiten wollte Weber jedoch nicht nennen. Auch in der Schadenversicherung gibt es nach Angaben des GDV eine Branchenlösung. „Im Falle der Insolvenz eines Kfz-Haftpflichtversicherers springt die Verkehrsopferhilfe ein“, sagte GDV-Sprecherin Gabriele Hoffmann.

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