Wirtschaft : Die Medienehe steht vor dem Scheitern

Kirch und Bertelsmann können Brüssel nicht überzeugen MÜNCHEN (AFP).Immer mehr Programme in immer besserer Qualität und ein riesiger Wachstumsmarkt für die Anbieter - so haben sich die beiden Medienkonzerne Kirch und Bertelsmann ihre "Ehe" im Digitalfernsehen vorgestellt.Doch noch vor der Hochzeitsfeier steht die vor sechs Monaten geschmiedete Allianz vor dem Scheitern.EU-Wettbewerbskommissar van Miert geht die Fusion von Bertelsmanns "Premiere" und Kirchs "DF 1" zu weit: Im digitalen Fernsehen könnte ein Monopol entstehen, fürchtet Europas oberster Wettbewerbshüter.Bertelsmanns Vorstandsvorsitzender Mark Wössner erklärte bereits, er rechne nicht mehr mit der Zustimmung aus Brüssel.Weitere Zugeständnisse seien wohl nicht mehr möglich, teilte Bertelsmann am Montag mit.Die Antwort der EU folgte sofort: Eine positive Entscheidung sei derzeit nicht möglich, hieß es aus Brüssel.Während Bertelsmann offenbar mit dem Verbot der Fusion rechnet, hat die Münchner Kirch-Gruppe die Hoffnung auf den Segen aus Brüssel noch nicht aufgegeben.Bertelsmann und Kirch hätten bereits "weitreichende Zugeständnisse" gemacht, betonte Kirch-Sprecher Schmitz.Auch ein Sprecher der Telekom, die im Bereich der digitalen Zugangstechnik als Dritter mit in der TV-Allianz sitzt, sagte, bei der Technik handle es sich um eine "offene Plattform".Vor allem für die Münchner Mediengruppe des Filmhändlers Leo Kirch ist die digitale Zusammenarbeit mit dem einstigen Erzrivalen Bertelsmann von entscheidender Bedeutung, munkelt man in der Branche.Presseberichte über angebliche große finanzielle Probleme der Kirch-Gruppe hatte die Unternehmensleitung zwar in der vergangenen Woche heftig dementiert.Das digitale Fernsehen indes brachte der Unternehmensgruppe bislang nur rote Zahlen.Rund 1,1 Mrd.DM verloren die Münchner mit ihrem Digitalsender DF 1.Dies führte zur Wiederbelebung alter Kooperationspläne mit Bertelsmann als finanzkräftigem Partner.Kirchs DF 1 und der von Bertelsmann-Tochter CLT-UFA Premiere dominierte Abo-Sender Premiere sollten fusionieren.Kirchs Decoder, die "d-box", sollte die technische Grundlage für das digitale Fernsehen bilden.Die geplante Zusammenarbeit der beiden Medienriesen löste bei der Konkurrenz große Sorgen aus.Beide Unternehmen besäßen mehr als 80 Prozent der attraktiven Programmrechte und könnten den Decoder-Standard nach eigenem Gutdünken festlegen, hieß es in der Branche.Andere Betreiber hätten kaum noch Chancen im digitalen TV-Markt, klagte etwa der Verband der privaten Kabelnetzbetreiber.Bis spätestens Anfang Juni soll nun die endgültige Entscheidung aus Brüssel kommen.Was geschieht, wenn Brüssel die Fernseh-Ehe verbietet, wollen die Konzerne nicht verraten.Nur eines ist sicher: DF1 wird es bald nicht mehr geben.Der verlustträchtige Sender wird entweder mit Segen der EU in Premiere aufgehen - oder er wird aufgelöst.

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