Wirtschaft : „Die meisten sind noch zu optimistisch“

Union-Fondsmanager Wilhelm erwartet nur ein langsames Wachstum im kommenden Jahr / EZB sollte Zinsen senken

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Berlin (hop). Die Aktienmärkte werden sich frühestens 2003 etwas erholen – und das nur langsam. Damit rechnet die Union Investment, die Fondsgesellschaft der Raiffeisen- und Volksbanken. In diesem Jahr hält Jens Wilhelm, Mitglied der Geschäftsführung der Union Investment, sogar ein weiteres Absinken der Aktienkurse für möglich, allerdings nicht um nochmals 20 bis 30 Prozent. Auch ein Irak-Krieg würde sich wahrscheinlich nur kurzfristig mit großen Verlusten auf die Märkte auswirken. „Der Krieg käme nicht überraschend, im Gegensatz zu den Anschlägen vom 11. September“, sagte Wilhelm am Dienstag dem Tagesspiegel.

Auf alte Höhen werde der Deutsche Aktienindex vorerst nicht klettern. „Im kommenden Jahr dürfte sich der Markt zwar wieder erholen, da niedrigere Gewinnprognosen der Unternehmen bereits in den Kursen enthalten sind. Das Potenzial für den Dax liegt bei bis zu 3600 Punkten“, sagte Wilhelm. Union Investment habe bereits ihre Erwartungen nach unten revidiert. Viele andere Marktteilnehmer seien zurzeit noch zu optimistisch. „Hier werden wir in den kommenden Woche sicher eine Reihe von Korrekturen sehen.“ Die Wirtschaftsentwicklung sei noch zu verhalten. Für 2003 rechnet Wilhelm nur mit einem leichten Anziehen der Konjunktur. „Durchschlagend wird sie sich jedoch erst 2004 erholen.“ Zur Unterstützung sollte die Europäische Zentralbank die Zinsen senken. „Für mich ist es unverständlich, warum sie das noch nicht getan hat.“

Fundamental gesehen gebe es im Moment keine Gründe für weiter sinkende Aktienkurse. „Die Bewertungen liegen in den USA etwa auf dem Durchnittsniveau der letzten 30 Jahre, die in Deutschland sogar leicht darunter.“ Doch wegen der Risikofaktoren wie dem möglichen Irak-Krieg und der schwächelnden Konjunktur rät Wilhelm dazu, sich nur nach und nach wieder bei Aktien zu engagieren. „Es sind noch keine zwingenden Kaufkurse. Einen Teil seines Pulvers sollte man sich noch trocken halten.“ Dem Markt fehlten Investoren. Die Kleinanleger seien durch die Bilanzskandale und Pleiten weiter verunsichert und würden auf steigende Kurse warten, bevor sie wieder Aktien kaufen. Und institutionelle Anleger würden im Moment keine neuen Positionen aufbauen, sondern erst ihre Bilanzen für das Jahr machen. „Der Markt ist leer. Wer jetzt noch dort ist, ist nur kurzfristig orientiert.“

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