Wirtschaft : Die Mitsubishi-Allianz: Autos nichts als Autos (Kommentar)

Rainer Hank

Wie sich die Zeiten ändern: Autos, nichts als Autos, heißt heute die Devise des DaimlerChrysler-Konzerns. Das ist die radikale Abkehr vom Konzept der Diversifizierung, die der frühere Daimler-Chef Edzard Reuter bis Mitte der 90er Jahre verfolgte. Vom "integrierten Technologiekonzern" ist unter Reuters Nachfolger Jürgen Schrempp nichts mehr übrig geblieben. Statt dessen konzentriert sich der Konzern jetzt wieder auf das, was er seit über 100 Jahren kann: Autos bauen. Das ist der gemeinsame Nenner beider am Montag endlich bestätigter Unternehmensmeldungen: DaimlerChrysler kauft sich bei Mitsubishi ein und verkauft das Debis-Systemhaus. Nur die strikt auf das Autogeschäft bezogenen Dienstleistungen der Debis will Daimler langfristig behalten. Mit dem Einstieg am japanischen Markt verfolgt Schrempp gleich ein doppeltes Ziel: Die Aussicht, einen Fuß auf den asiatischen Wachstumsmarkt zu setzen und zugleich endlich Erfolg mit seiner Kleinwagenstrategie zu finden. Denn der Beschluss, einen viersitzigen Smart zusammen mit einem neuen Mitsubishi-Kleinwagen in den Niederlanden zu bauen, lässt die bislang eher glücklos agierenden Smart-Konstrukteure hoffen. Singulär ist der asiatische Coup Schrempps lange nicht. Im Gegenteil: DaimlerChrysler holt nach, was andere früher vorgemacht haben; Renault zum Beispiel hat sich schon im vergangenen Jahr bei Nissan eingekauft. Nicht nur die Zeiten der Diversifizierung sind vorbei; Schnee von gestern sind auch jene Spekulationen und Befürchtungen, bald führen auf den Straßen dieser Welt nur noch asiatische Autos. Ganz freiwillig hat die japanische Industrie den Europäern und Amerikanern die Türen zum heimischen Markt gewiss nicht geöffnet. Aber ohne Hilfe von außen kommt die stark gebeutelte Wirtschaft des Landes offenbar nicht wieder auf die Beine. Die Aura des dritten Weges, den das japanische Modell des Kapitalismus lange mit sich führte, ist verschwunden. Jetzt folgt man auch hier lieber den internationalen Markt-Regeln von Kooperation und Wettbewerb.

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