Die Musterknaben : WIND

Kevin P. Hoffmann

Die Erzeuger von Windkraft an Land gelten volkswirtschaftlich als Musterknaben der Grünstrombranche. Die Technologie ist vergleichsweise ausgereift. Entsprechend nah kommt Wind bei den Kosten an die in der konventionellen Erzeugung heran. Mitunter lässt sich Strom günstiger mit einem Windrad erzeugen als in einem Gaskraftwerk. Im Schnitt kostete die Kilowattstunde Windstrom knapp 9 Cent. Zum Vergleich: Bei Biomasse sind es im Schnitt mehr als 17 Cent, bei Strom aus dem Braunkohlekraftwerk durchschnittlich 4,5 Cent. Obwohl Windkraft mit rund sieben Prozent an der Stromerzeugung in Deutschland den größten Beitrag aller Regenerativen leistet, wurden an die Anwender dieser Technologie 2013 nur gut 13 Prozent des 23 Milliarden Euro schweren EEG-Fördertopfes ausgezahlt. Die Betreiber von Fotovoltaikanlagen erhielten fast 42 Prozent. Entsprechend entsetzt reagieren die Windenergie-Verbände zu den Beschlüssen von Meseberg. Jedes Jahr soll der Vergütungssatz um 1,6 Prozent sinken. Noch deutlich stärker sinkt er für alle Betreiber von Neuanlagen, wenn im Jahr Windräder mit insgesamt mehr als 2,6 Gigawatt Nennleistung aufgestellt werden. 2013 kamen Windräder für 3,0 Gigawatt hinzu. Die Regierung zwingt also auch die Windkraft unter das Förderprinzip des „atmenden Deckels“, der die Kosten eindämmen soll, aber schon der Solarbranche Probleme machte. Kummer bereitet den Windkraftanlagenherstellern, darunter Siemens, GE, Enercon, Repower und Vestas, zudem das geplante Referenzertragsmodell. Es sieht vor, dass sehr ertragreiche Standorte nach fünf Jahren gar keine Förderung mehr erhalten. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass diese sich auch so lohnen. Für windschwache Standorte soll es zumindest geringere Fördersätze geben. So soll sich Windkraft dort konzentrieren, wo Wind weht: auf dem Meer. Hier erhalten Investoren 2017 noch 19 Cent je Kilowattstunde.

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