Wirtschaft : „Die Nähe zur Bundeshauptstadt hat enorme Bedeutung“

Potsdam wächst vor allem durch Zuwanderer – und Rückkehrer

Kräne drehen sich über der Bodenplatte des zukünftigen Landtages in Potsdam. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Baus ist im ersten Halbjahr 2013 geplant. Foto: dpa
Kräne drehen sich über der Bodenplatte des zukünftigen Landtages in Potsdam. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Baus ist im...Foto: ZB

Die Landeshauptstadt platzt noch nicht aus allen Nähten. Doch sie wächst. Es herrscht ein Bevölkerungszuwachs wie in kaum einer anderen Stadt in Ostdeutschland. Es müssen Wohnungen her. Doch die sollten bezahlbar sein. Auch die Potsdamer Innenstadt wird neu geordnet.

Herr Goetzmann, Sie sind Fachbereichsleiter Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt Potsdam. Wir sprechen miteinander im Rahmen der Serie „Berliner Quartiere“. Ich hoffe, das empört Sie nicht.

Wissen Sie, wir sind da selbstbewusst und sagen manchmal spaßeshalber: Da, wo Berlin am schönsten ist, heißt es Potsdam. Außerdem wäre es Unsinn, eine Konkurrenz zwischen Potsdam und Berlin aufzubauen, da die beiden Städte ganz unterschiedlich sind. Wahrscheinlich profitiert Potsdam mehr von Berlin als umgekehrt: Während Berlin auch ohne Potsdam gut existieren könnte, hat die unmittelbare Nähe zu Berlin eine enorme Bedeutung für Potsdam.

Potsdam gewinnt Einwohner. Woher kommen die Zuzügler?

Zum einen aus Berlin, auch wenn unser Wanderungsgewinn nicht mehr so hoch ist wie in den neunziger Jahren. Zum anderen haben wir eine überregionale Zuwanderung von Menschen zum Beispiel aus Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen, die sich, wenn sie in die Hauptstadtregion kommen, für Potsdam entscheiden. Potsdam seinerseits verliert Einwohner ans Umland, wobei wir hier auch Rückwanderungstendenzen feststellen. Denn die Leute merken zunehmend, dass es nicht so toll ist, von der Infrastruktur abgekoppelt zu sein. Und für Menschen, die eine gute Infrastruktur wollen, aber nicht in einer Metropole leben möchten, ist Potsdam die richtige Wahl.

Das Stadtentwicklungskonzept Wohnen sieht vor, dass in Potsdam jährlich tausend neue Wohnungen entstehen sollen. In welcher Form sollen diese gebaut werden?

Anders als früher liegt das Schwergewicht nicht mehr auf Einfamilienhäusern, sondern auf Mehrfamilienhäusern. Das hängt damit zusammen, dass auch in Potsdam die durchschnittliche Haushaltsgröße immer kleiner wird.

Und wo ist Platz für die neuen Wohnungen?

Die größten Neubaureserven gibt es im Bornstedter Feld. Allerdings richten wir den Blick jetzt verstärkt auf Potenziale im Innenstadtbereich. Denn wir müssen Wege finden, wie wir es trotz des Bevölkerungswachstums schaffen, dass der motorisierte Individualverkehr nicht maßgeblich wächst. Wer in den ländlichen Ortsteilen im Norden der Stadt wohnt, wird in der Regel ohne Auto nicht auskommen. In der Nähe des Hauptbahnhofs hingegen geht es auch ohne Auto. Deshalb haben wir den Entwicklungshorizont, im Umfeld des Hauptbahnhofs mehr als 3000 Wohnungen bauen zu lassen. Dafür bieten sich insbesondere die Speicherstadt, der Fuß des Brauhausbergs, das ehemalige Straßenbahndepot in der Heinrich-Mann-Allee und die historische Mitte an.

Politische Schlagzeilen macht das ehemalige Kasernenareal Krampnitz im Norden der Stadt. Wenn wir die offenen Fragen um den Verkauf einmal ausklammern: Welche Planungsziele verfolgt hier die Stadt?

Wir standen dem Standort Krampnitz wegen seiner peripheren Lage lange etwas ratlos gegenüber. Schließlich kamen wir zum Ergebnis, auch solche Militärbrachen revitalisieren zu müssen, um unser Ziel von mindestens tausend neuen Wohnungen im Jahr auch mittelfristig noch zu erreichen. Städtebaulich sehen wir vor, im denkmalgeschützten Bereich Geschosswohnungen zu realisieren und im nicht denkmalgeschützten Teil Einfamilienhäuser. Derzeit führen wir vorbereitende Untersuchungen durch, ob es nötig ist, für Krampnitz einen Entwicklungsbereich nach dem besonderen Städtebaurecht festzusetzen, was der Stadt größere Einflussmöglichkeiten geben würde. Entschieden wird darüber Ende 2011 oder Anfang des kommenden Jahres.

Interview: Christian Hunziker

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