Wirtschaft : Die Namen des Niedergangs: Lothar Mayer und Heinrich Binder

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Freundlich, immer gelassen, nicht abgehoben. Lothar Mayer war und ist ein Mann ohne Allüren. Und ein überzeugter Bau- Mensch dazu. 37 Jahre arbeitete der heute 66-Jährige für den Baukonzern Philipp Holzmann. Als gelernter Bauingenieur kam er 1960 zum Frankfurter Traditionsunternehmen. 1992 an die Spitze des Unternehmens. Zusammen mit seinem Vorgänger und späteren Aufsichtsratschef Hermann Becker gehörte er zum Inventar des Konzerns. In Frankfurt galt das Gespann fast schon als Institution, Kritik an seiner Unternehmensführung wies Mayer immer freundlich, aber bestimmt zurück. Die wenigen Probleme, die es Anfang der 90er Jahre gab, werde man schon in den Griff bekommen, versicherte der Holzmann-Chef immer wieder. Zweifel blieben. Im Frühjahr 1996 dann kam der Offenbarungseid. Im Februar hatte Mayer den gutgläubigen Aktionären eine Dividende versprochen, im Mai musste er einen dramatischen Verlust von fast 500 Millionen Mark für das abgelaufene Geschäftsjahr einräumen. Mayer hatte jahrelang ein viel zu großes Rad gedreht, Immobilien-Projekte angepackt, bei denen Holzmann vom Bau bis zum Verkauf und Vermietung alles alleine abwickelte, die sich bei solider Analyse nie rechnen konnte. Ein Controlling gab es bei Holzmann nicht. Mayer musste im September 1997 vorzeitig gehen, hinterließ einen Scherbenhaufen. Tricks indes mochte er nie zugeben. Der Ruheständler kassiert gemeinsam mit seinen ausgeschiedenen Kollegen laut Geschäftsbericht im vorigen Jahr immer noch 5,2 Millionen Mark. Dann begann die Ära Heinrich Binder. Der damals 47-Jährige sollte die Dinge wieder richten. Die Deutsche Bank, die zugleich mit Carl von Boehm-Bezing die Führung des Aufsichtrates übernahm, holte mit dem promovierten Juristen den ersten "baufremden" Manager an die Spitze des Konzerns. In den Jahren zuvor hatte er den Autozulieferer Kolbenschmidt saniert. Der hochgewachsene, hagere Manager lässt Gutachten in Auftrag geben, baut verlustträchtige Beteiligungen ab und deckt am Ende Verluste in Höhe von rund drei Milliarden Mark auf. Im Frühjahr gab er sich überzeugt, dass es Holzmann geschafft habe. Aber er sagte: "Die Sünden der Vergangenheit werden uns auch in Zukunft beschäftigen." Ein kalt agierender Manager, ein knallharter Sanierer war der eher zurückhaltende Binder nie. Am Montag stellte sich Binder vor der Konzernzentrale aufgebrachten und entsetzten Mitarbeitern. Nicht jeder Manager würde das in dieser Lage tun. Binder wurde er nicht niedergeschrien. Beschäftigte und Betriebsrat sehen, dass Binder nicht der Hauptverantwortliche ist. Trotzdem bleibt sein Name mit dem endgültigen Niedergang von Holzmann verbunden - obwohl die Saat dafür schon Anfang der 90er Jahre gelegt worden war.

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