Wirtschaft : Die Nasdaq Deutschland wird geschlossen

Gesellschafter geben umsatzschwachen Börsenplatz keine Chance mehr/Deutsche Börse AG profitiert

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Berlin (mot). Der Aufsichtsrat der Nasdaq Deutschland wird am Montag die Schließung der erst im März eröffneten Börsenplattform bekannt geben. „Der Handelsplatz wird geschlossen“, sagte einer der Gesellschafter am Freitag dem Tagesspiegel. „Wir werden uns nach einer Alternative umsehen müssen.“ Der Großaktionär, die USTechnologiebörse Nasdaq, hatte seine Mehrheitsbeteiligung von 50 Prozent bereits in Frage gestellt, weil der deutsche Ableger einen zu geringen Umsatz macht. Nach den Dependancen in Japan und Brüssel wäre die in Berlin angesiedelte Niederlassung die dritte Auslandstochter, die die Nasdaq wegen fehlender Zukunftsperspektiven schließt.

Gesellschafter der als Konkurrenz zur Frankfurter Wertpapierbörse gedachten Nasdaq Deutschland sind neben der US-Nasdaq die Berliner und Bremer Wertpapierbörsen, die Commerzbank und ihr Internet-Ableger Comdirect sowie die Dresdner Bank. Keiner der Partner war am Freitag zu einer offiziellen Stellungnahme bereit.

Die Schließung der Nasdaq Deutschland bedeutet vor allem für die unlängst fusionierten Regionalbörsen in Berlin und Bremen einen schweren Imageschaden. Das Projekt sollte den kleinen Finanzplätzen, die unter der Börsenflaute und der zunehmenden Konzentration des Wertpapierhandels in Frankfurt leiden, mehr Profil geben. Vor allem Privatanlegern, die an ausländischen Aktien interessiert sind, wollte die Berliner Börse ein erweitertes Angebot bieten. Nach dem Scheitern der Nasdaq Deutschland, die bis 2006 auf einen Marktanteil von 15 Prozent kommen wollte, machen sich vor allem die Großbanken keine Illusionen über die Zukunft des Börsenplatzes. „Pech gehabt“, hieß es am Freitag lakonisch bei einem der beteiligten Institute. Der finanzielle Schaden hält sich allerdings in Grenzen: Das Eigenkapital der Nasdaq Deutschland beläuft sich nur auf zwölf Millionen Euro. Ein Käufer ist nach den offenbar gescheiterten Gesprächen mit dem europäischen Konkurrenten Euronext vorerst nicht in Sicht.

Vom Aus der Nasdaq Deutschland dürfte vor allem die Deutsche Börse AG profitieren, die am Freitag ihr bisher bestes Halbjahresergebnis präsentierte. „Wir werden unsere Aufträge, die bisher an die Nasdaq Deutschland gingen, künftig über Frankfurt abwickeln“, sagte ein Banker dem Tagesspiegel. Damit hält der Trend zur Konzentration der Handelsumsätze an.

Frankfurter Börse auf Rekordkurs

Die im Dax notierte Deutsche Börse steigerte den Umsatz in den ersten sechs Monaten um 71 Prozent auf 702,4 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) legte rund 44 Prozent auf 241,4 Millionen Euro zu. Der Überschuss verbesserte sich von 124,3 auf 140,9 Millionen Euro. Honoriert wurden die guten Zahlen mit einem Kursanstieg der Börsen-Aktie um zuletzt 1,8 Prozent auf 45,94 Euro in einem insgesamt schwachen Markt. Der Börsenbetreiber profitierte vor allem im zweiten Quartal von der Belebung des Aktienhandels: Zwischen März und Juni verbesserte das Unternehmen den Umsatz um rund 71 Prozent auf 351,9 Millionen Euro. Das Ebit lag mit 115,3 Millionen Euro um rund 44 Prozent über dem des Vorjahres, wie die Börse am späten Donnerstagabend nach Handelsschluss mitteilte. Umsatzstärkstes Segment mit 134,2 Millionen Euro im zweiten Quartal war der Wertpapierdienstleister Clearstream, den die Deutsche Börse im vergangenen Jahr vollständig übernommen hatte. Weiter auf Wachstumskurs ist auch die Terminbörse Eurex. Sie verbesserte den Umsatz auf 103,9 Millionen Euro, nach 73,6 Millionen im Vorjahr. Das Ebit konnte auf 59,7 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden.

Der Wertpapierhandel verlagerte sich weiter auf die elektronische Plattform Xetra, die sich sehr positiv entwickelt habe, wie die Deutsche Börse mitteilte. Der Parketthandel blieb hingegen hinter dem Vorjahreswert zurück, habe sich im Vergleich zum ersten Quartal jedoch wieder etwas erholt.

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