Wirtschaft : Die neue Bankgesellschaft steht

BERLIN (jhw).Nach langwierigen Verhandlungen haben die Bankgesellschaft Berlin und die Norddeutsche Landesbank (NordLB) ihren Zusammenschluß zum viertgrößten deutschen Geldinstitut besiegelt.Beide Institute gaben am Montag die Einigung über letzte offene Sachfragen bekannt.Jetzt müssen noch die Eigner der zwei Institute zustimmen.Deren Beschluß ist nach Angaben von Bankern allerdings Formsache.

Der neue Konzern firmiert ab 1.Januar 1999 als Bankgesellschaft Berlin-Hannover AG.Die Vorstandssprecher Wolfgang Rupf und Manfred Bodin sollen das Institut gemeinsam leiten.Firmensitze sind Berlin und Hannover.Der Vorstand der Gesellschaft wird aus zwölf Mitgliedern bestehen, die teilweise in Berlin, teilweise in Hannover ihre Büros haben.Das Institut wird eine Bilanzsumme von 618 Mrd.DM aufweisen, 23 700 Beschäftigte haben und rund 4,5 Millionen Kunden betreuen.

Am Sonnabend hat sich der Strategieausschuß der beiden Partner auf die Realisierung des Zusammengehens geeinigt.Dem Ausschuß, der sich im Zuge der Pläne einer strategischen Allianz vor fast vier Jahren gebildet hat, gehören die Finanzsenatorin Berlins, Annette Fugmann-Heesing, der niedersächsische Finanzminister Heinrich Aller, der Aufsichtsratsvorsitzende der Bankgesellschaft Berlin, Edzard Reuter, der Präsident des Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverbandes, Dietrich Hoppenstedt, sowie Rupf und Bodin an.

Die Verträge mit den beteiligten Bundesländern sowie zwischen den beiden Instituten seien in den wesentlichen Punkten verhandelt, sagte ein Sprecher der Bankgesellschaft auf Anfrage.Der Fusion müssen die jeweiligen Landesparlamente sowie die beteiligten Sparkassenverbände, deren regionales Spitzeninstitut die NordLB ist, sowie die Aktionäre der Bankgesellschaft noch zustimmen.

Beide Banken hatten sich im März nach einjährigen Verhandlungen bereits grundsätzlich darüber verständigt, zusammenzugehen.Die Bankgesellschaft Berlin-Hannover wird, gemessen an der Bilanzsumme, die viertgrößte Bank in Deutschland werden.Nur die Deutsche Bank, die fusionierte Hypo-Vereinsbank, die aus der Bayerischen Vereinsbank und der Bayerischen Hypo-Bank entsteht, und die Dresdner Bank sind größer.Unter dem Dach des neuen Konzerns sollen die bisherigen Teilbanken Berliner Bank, die Berlin-Hannoversche Hypothekenbank, die Landesbank Berlin und die NordLB auf ihren Kernmärkten tätig sein.Neben dem Investmentbanking (Handel mit Unternehmensbeteiligungen und Wertpapieren) werden das überregionale und internationale Firmengeschäft, die Spezialfinanzierungen sowie das Auslandsgeschäft von der Bankgesellschaft wahrgenommen.

Der Chef der Bankgesellschaft, Rupf, hatte Anfang Juni erklärt, der Konzern habe das Ziel, die führende und erstragsstarke Universalbank im Norden und Osten Deutschlands zu sein und wende sich dabei auch angrenzenden Märkten in Nord- und Osteuropa zu.

Im Zuge der Fusion erhält das Land Berlin 1,5 Mrd.DM für die restlichen 24,9 Prozent der Landesbank.Damit ist die Landesbank jetzt jetzt zu 100 Prozent in die Bankgesellschaft einbezogen.Die Landesbank Berlin und die NordLB werden aber auch als Töchter der privaten Bankgesellschaft nicht in den freien Wettbewerb entlassen.Die Bundesländer stehen weiterhin in der sogenannten Gewährträgerhaftung und müssen den Instituten mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben in Finanzierungskrisen beistehen.

Gegenwärtig hält das Land Berlin noch fast 57 Prozent der Anteile an der Bankgesellschaft, die NordLB 15 Prozent.Gut 18 Prozent befinden sich im Streubesitz.Die Gothaer Beteiligungsgesellschaft besitzt zehn Prozent.Bei der NordLB ist das Land Niedersachsen mit 40 Prozent größter Anteilseigner.Je zehn Prozent halten Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.Der niedersächsische Sparkassen- und Giroverband ist mit knapp 27 Prozent beteiligt, der Sparkassen- und Beteiligungsverband Sachsen-Anhalt und der Sparkassenbeteiligungszweckverband Mecklenburg-Vorpommern mit je fast sieben Prozent.

An der neuen Bankgesellschaft Berlin-Hannover wird das Land Berlin 30 Prozent der Aktien halten, das Land Niedersachsen fast 15 Prozent, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern jeweils knapp vier Prozent und die regionalen Sparkassen-Verbände zusammen gut 14 Prozent.Allein das Land Berlin kann mit einer weiteren Einnahme von rund einer Mrd.DM rechnen, wenn es seinen Anteil auf 30 Prozent verringert.

Die Zahl der Aktien der Bankgesellschaft wird sich um mehr als die Hälfte erhöhen.Neben den 218 Mill.Aktien, die es derzeit schon gibt, kommen im Zuge der Fusion 125 Mill.neue Aktien hinzu.

Nach einer Übergangsphase, über deren Dauer die beteiligten Unternehmen und die Landesregierungen zur Zeit keine Auskunft geben wollen, sollen das Land Berlin 30 Prozent, die drei anderen Länder und die öffentlich-rechtlichen Gesellschafter der NordLB 30 Prozent und Privataktionäre 40 Prozent der Anteilscheine halten.Damit wird die Bankgesellschaft ihr Gewicht im M-Dax, dem Deutschen Aktien-Index für die 70 wichtigsten Nebenwerte, vergrößern.Wie ein Sprecher der Bankgesellschaft sagte, sei es durchaus möglich, daß der Verkauf der Aktien und ihre breite Streuung auf einen Schlag stattfinden.Wann jedoch der richtige Zeitpunkt gekommen sei, hänge von der Börsenentwicklung ab.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben