Wirtschaft : Die neue Mannschaft steht unter Zeitdruck (Kommentar)

Thomas Magenheim

Der Sportartikel-Hersteller Adidas steht vor einem anstrengenden Hürdenlauf. Zu langsam, zu teuer und zu wenig sportlich, lautet das kritische Fazit des künftigen Konzernchefs Herbert Hainer. Die Aktienmärkte waren zuvor offenbar schon selbst zu einem ähnlichen Urteil gekommen. Denn seit Mitte 1998 sank der Wert der Dax-Aktie von über 167 Euro auf zuletzt nur noch ein Drittel. Personell wurden daraus schon Konsequenzen gezogen. In rascher Folge mussten drei Spitzenmanager das Traditionsunternehmen verlassen. Der noch amtierende Konzenchef Robert Louis-Dreyfus übergibt in einem Jahr den Stab an Hainer. Nun muss die neue Führungsgruppe ihre Ideen umsetzen und rasch zu barer Münze machen. Denn die Börsenkapitalisierung, ein wichtiger Indikator für den Verbleib des Unternehmens im Dax, ist auf einem bedenklichen Tiefstand. Aufsteiger stehen bereit, um Adidas aus dem Index zu verdrängen. Den geplanten Konzernumbau würde das nicht erleichtern.

Die neue Adidas-Mannschaft um Hainer steht also unter Zeitdruck. Wenigstens bringen ihr die Finanzmärkte Vertrauensvorschuss entgegen. Beim ersten öffentlichen Auftritt Hainers zur Bilanzvorlage des fränkischen Unternehmens ging die Adidas-Aktie an der Börse mit einem mehrprozentigen Zuwachs als Tagessieger vom Parkett. Nun müssen den Worten auch Taten folgen. Vor allem der weltgrößte Sportartikelmarkt in den Vereinigten Staaten kommt dem schwächelnden Konzern dabei aber nicht entgegen. Insolvenzen erschüttern den amerikanischen Sportfachhandel und erschweren eine Vorwärtsstrategie. Zudem gilt die Marke aus Herzogenaurach mit den drei Streifen in den USA nicht mehr als trendy. Gap und andere Modemarken haben dort Adidas den Rang abgelaufen. Hainers Ruf "Zurück zum Sport" kommt gerade auch deshalb zur rechten Zeit.

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