Wirtschaft : Die neue Stärke des Euro ist schon wieder vorbei

BERLIN (Tsp).Der Euro hat am Montag gegenüber dem Dollar leichte Gewinne verbuchen können.Doch die neue Stärke des Euro nach dem Rücktritt von Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine (SPD) am Donnerstag abend war nur von kurzer Dauer: Der Kurs der Gemeinschaftswährung blieb wieder unter der Marke von 1,10 Dollar.

"Wir werden den politischen Wischwasch in Bonn weiter beobachten.Die Tatsache, daß ein Nachfolger feststeht, muß jetzt nicht heißen, daß alles rund und geschmiert läuft", sagte ein Frankfurter Händler.Börsianer erwarten, daß sich der Euro in einer Spanne von 1,08 bis 1,10 Dollar konsolidiert.Der Referenzkurs wurde am Montag auf 1,0949 Dollar festgelegt - geringfügig mehr als die 1,0932 Dollar vom Freitag.Der Rücktritt von Oskar Lafontaine (SPD) hatte am Donnerstag abend den Euro erstmals seit zwei Wochen wieder über die 1,10-Dollar-Marke gehievt.Das Niveau hatte der Euro aber schon am Freitag nicht behaupten können.

Die meisten Marktteilnehmer erwarteten nun eine Senkung der Zinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB), hieß es am Montag.Niedrigere Zinsen würden die Nachfrage nach Euro auf dem Devisenmarkt verringern, weil die Geldanlage in Euroland weniger attraktiv würde - und der Euro-Kurs würde schwächer tendieren.Die nächste Sitzung des EZB-Rates findet am Donnerstag statt.Die Zinssenkungs-Spekulationen beleben sich, weil Lafontaine stets niedrigere Zinsen gefordert hatte.Nach seinem Rückzug aus der Politik könnten die Notenbanker nun das Geld billiger machen, ohne den Eindruck zu erwecken, sie hätten sich von der Politik unter Druck setzen lassen.Die britische "Sunday Times" berichtete, die EZB werde ihren Leitzins - den Reposatz - von derzeit 3,0 Prozent senken.Als Termin nannte die Zeitung den 8.April.Der Reposatz legt die Kosten fest, zu denen die EZB den Banken in Euroland liquide Mittel zur Verfügung stellt.Ein niedrigerer Reposatz verbilligt Kredite insgesamt, vermindert jedoch zugleich die Stabilität des Geldwertes.

Die Dresdner Bank in Berlin teilte mit, sie rechne damit, daß die EZB den Zinssatz im Laufe des Jahres in zwei Schritten auf 2,5 Prozent zurücknehme.Für die EZB sei es weiterhin sehr wichtig, nicht den Anschein zu erwecken, unter politischem Druck zu handeln.

Derweil warnten die EU-Finanzminister vor Risiken beim deutschen Stabiliätsprogramm.Sie empfahlen der Bundesregierung eine noch deutlichere Verringerung des Haushaltsdefizits.Mit diesen Einschränkungen billigte die Ministerrunde das Programm, das bis zum Jahr 2002 reicht.Demnach geht das Haushaltsdefizit von zwei Prozent im vergangenen Jahr auf ein Prozent im Jahre 2002 zurück.Die Staatsverschuldung soll bis 2002 auf 59,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gesenkt werden.Damit soll es unter die im Vertrag von Maastricht geforderte 60-Prozent-Marke fallen.Die beabsichtigte Defizitsenkung wurde vom Rat als "bescheiden" angesehen.Es sei "wünschenswert", das Defizitziel von einem Prozent zu unterschreiten.

Das Programm nimmt einen konjunkturellen Aufschwung von zwei Prozent in diesem Jahr und von jeweils 2,5 Prozent für 2000 bis 2002 an.Der Ministerrat hielt diese Projektion für realistisch.Allerdings drohe Gefahr, weil die Aussichten von einem spürbaren Rückgang der Arbeitslosigkeit abhingen.Die Runde wies auf die Bedeutung maßvoller Lohnabschlüsse und Strukturreformen hin.

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