Wirtschaft : Die neue Stütze des Ministers

Beatrice Weder di Mauro ist neue Wirtschaftsweise

Carsten Brönstrup

Berlin - Der Minister erinnert ein wenig an einen Vater, der voller Stolz mit der wohlgeratenen Tochter für das Familienfoto posiert. Wolfgang Clement hat schon beim Betreten des Saales ein süffisantes Siegerlächeln aufgesetzt. Beatrice Weder di Mauro als neues Mitglied im Wirtschafts-Sachverständigenrat zu präsentieren betrachtet der einstige Superminister offenbar als gelungenen Coup. Auf dem Podium liegt ein Gesteck aus bunten Sommerblumen, und der gelernte Journalist Clement hat ein Dutzend Kameraleute einladen lassen. So viel Aufhebens ist um einen neuen Berater der Bundesregierung bislang noch nicht veranstaltet worden.

Aber Beatrice Weder di Mauro ist nicht irgendeine Professorin. Sondern die erste Frau, die erste Ausländerin und die mit 39 Jahren jüngste Ökonomin, die je in den renommierten Rat der fünf Wirtschaftsweisen aufgenommen wurde. Gestern erhielt die Mainzer Professorin ihre Ernennungsurkunde von Bundespräsident Horst Köhler. Weder di Mauro folgt auf Axel Weber, der nun die Bundesbank führt. „Sie ist sehr wertvoll für die Arbeit des Rates“, bescheinigt ihr Clement, noch ehe sich die zierliche, aparte Dame erstmals öffentlich in ihrer neuen Funktion geäußert hat.

Die Schweizerin, die auch einen italienischen Pass hat, bringt nicht nur durch ihre Erscheinung frische Farbe in das Professorengremium, dessen Mitglieder bislang meist ältere Herren mit hoher Denkerstirn waren. Anders als ihre Kollegen hat sich Weder di Mauro nicht allein an deutschen Universitäten ihre Meriten erworben. Die Bank von Japan, der Internationale Währungsfonds oder die Harvard-Universität gehörten bereits zu ihren Arbeitgebern, geforscht hat sie vor allem über internationale Finanzmärkte. Wohl auch wegen ihrer Erfahrungen in der Welt stützt sie den Reformkurs der Koalition. Die Hartz-Gesetze „gehen in die richtige Richtung“, sie würden aber „weh tun“. Sie hoffe aber, dass Deutschland damit „längerfristig auf einen höheren Wachstumspfad kommt“. Ein Mindestlohn sei dabei allerdings schädlich. Das alles ist im Sinne Wolfgang Clements. Er lächelt weiter.

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