Wirtschaft : Die neue "Superbörse" - Mailand und Madrid wollen sich anschließen

nks

Die Fusion der Börsen in Frankfurt und London zum größten Aktienmarkt Europas ist perfekt. Die Börsen in Mailand und Madrid wollen sich der neuen Gesellschaft mit dem Namen iX anschließen. iX startet zudem mit der US-Technologiebörse Nasdaq den transatlantischen Handel mit Wachstumstiteln. Die Fusion übertrumpft damit die Börsen von Paris, Brüssel und Amsterdam, die im März zur Euronext fusioniert sind.

"Jetzt kommt zusammen, was zusammen gehört", sagte Werner Seifert, Chef der Deutschen Börse und des künftigen Gesamtunternehmens, in London. Die Bundesregierung begrüßte die Fusion. Frankfurt und London werden 53 Prozent des europäischen Börsenhandels abdecken. Gemeinsame Handelsplattform wird das deutsche Xetra-System, auf das sich nun die Londoner City umstellen muss. Während Seifert Vorstandsvorsitzender (Chief Executive) wird, ist Don Cruikshank von der London Stock Exchange (LSE) als Vorsitzender des Aufsichtsrats (Chairman) vorgesehen.

Beide Börsen sind zu gleichen Teilen an dem neuen Unternehmen beteiligt. Der Börsengang des Unternehmens ist geplant. In London sollen künftig alle Standardwerte gehandelt werden, während die Wachstumstitel des Hochtechnologie-Bereichs in Frankfurt angesiedelt sind. Mit Madrid und Mailand hat iX bereits ein Grundsatzabkommen für die künftige Fusion unterzeichnet. "Dies ist ein offenes Konzept - offen vor allem für andere Börsen", sagte Seifert. Britische Sorgen, der Börsenplatz London könne durch das Bündnis mit Frankfurt langfristig an Gewicht verlieren, bezeichnete Seifert als unbegründet. Das neue Unternehmen werde von London aus geführt, und dazu gebe es keine Alternative. Rolf Breuer, der Chef der Deutschen Bank und Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Börse, sagte, auch Frankfurt komme mit dem schnell expandierenden Markt für Wachstumstitel gut weg. Die Aufteilung sei fair: "Das ist ein großer Tag für uns alle."

Erstmals werden nun künftig auch in London Werte in Pfund und in Euro gehandelt. Damit erhöht sich nach Einschätzung britischer Medien der Druck auf die Regierung von Tony Blair für einen Euro-Beitritt. Gavin Casey, der scheidende Chef der London Stock Exchange, bestritt jedoch, dass durch die Fusion ein Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Währungsunion erzwungen werden solle. "Das ist eine völlig andere Debatte", sagte er. "Wir tun das hier, weil unsere Kunden das wollen." Der Aktienhandel werde dadurch billiger und einfacher.

Hintergrund der Fusion ist vor allem der Druck der Marktteilnehmer und die Konkurrenz durch kleine, günstigere Internet-Handelshäuser. Die Banken wollen unnötige Kosten vermeiden, die durch die Vielzahl von Handelsplätzen und unterschiedlichen Abwicklungssystemen entstehen.

Die europäische Tochter der US-Technologiebörse Nasdaq will ein Gemeinschaftsunternehmen mit iX gründen. Unter dem Namen Nasdaq iX soll das Joint Venture einen pan-europäischen Markt für Wachstumswerte schaffen, der weltweit mit anderen Börsen vernetzt werden soll. Die Börsen haben dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet. Nasdaq-Chef Frank Zarb nannte in New York das Frühjahr 2001 als geplanten Starttermin. Gelistet werden sollen an der Nasdaq iX die Wachstumswerte des Neuen Marktes und der techMARK - die Wachstumssparte der Londoner Börse. Dazu kommen die Unternehmen des Index Nasdaq 100 und auch noch weitere amerikanische und nicht-europäische börsennotierte Fonds. Anleger sollen auch Zugang zu allen Börsengängen erhalten. Die Marken Neuer Markt und techMARK werden verschwinden. Das Gemeinschaftsunternehmen wird zu gleichen Anteilen der Nasdaq Europe Ltd. und iX gehören. Hauptsitz ist London. Der Markt steht aber unter deutscher Aufsicht, als Handelssystem ist Xetra vorgesehen. Die Verbindung mit der Nasdaq gebe der neuen Börse iX eine globale Reichweite, sagte Zarb. So plant die Nasdaq noch im laufenden Jahr den Start einer Börse in Japan. Ziel ist ein Handel von Nasdaq-Werten rund um die Uhr.

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