Wirtschaft : Die neuen Chefs und das lange Warten

Schering-Mitarbeiter demonstrieren für mehr Altersteilzeit – damit es beim Jobabbau glimpflicher abläuft

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Berlin - Die Worte des Betriebsratschefs sind an diesem klaren Novembertag trotz des Megafons kaum zu verstehen. Doch die Schering-Beschäftigten, die sich um Viertel vor Zwölf vor dem Hauptgebäude des Berliner Pharmakonzerns versammelt haben, wissen, dass die großen Entscheidungen ohnehin nicht heute verkündet werden. Den rund 400 – nach Betriebsratsangaben sogar 800 – Demonstranten geht es daher ums Grundsätzliche. „Es ist unerträglich, dass man uns seit März im Ungewissen lässt, wie es künftig weitergeht“, sagt Betriebsratschef Norbert Deutschmann und erntet Applaus.

Bayer hatte im März das erste Angebot für die Berliner vorgelegt und den Pharmakonzern schließlich im September nach langem Kampf für knapp 17 Milliarden Euro übernommen. Dass Bayer 6000 der weltweit 60 000 Stellen in der fusionierten Pharmasparte abbauen würde, hatte Konzern-Chef Werner Wenning schon sehr früh bekannt gegeben. Wie stark es die rund 6500 Berliner Schering-Mitarbeiter treffen wird, können sie bisher aber nur ahnen. Berlin stehe vor erheblichem Arbeitsplatzabbau, warnte Deutschmann. „Wir warten im Dezember auf Zahlen.“ Bei der Kundgebung forderte er Bayer auf, durch ein erweitertes Angebot von Altersteilzeit und Frühpensionierung auf die Möglichkeit betriebsbedingter Kündigungen zu verzichten. „Der Gesetzgeber plant Änderungen“, sagte der Arbeitnehmervertreter, darum sei Handlungsbedarf gegeben. Bayer habe jedoch eine Ausweitung abgelehnt. Die Zuhörer quittierten das mit Pfiffen.

Das ist auch schon alles. Die meisten Beschäftigten stehen in kleinen Grüppchen zusammen, empörte Zwischenrufe bleiben aus. „Die meisten hoffen wohl noch, dass der Kelch an ihnen vorbeigeht“, sagt Lars Engel, der seit 21 Jahren bei Schering arbeitet. „Nächste Woche wissen wir mehr.“ Um kurz nach zwölf trottet auch er zurück an seinen Arbeitsplatz. pet

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