Wirtschaft : Die neuen Helfer der Bezirke

Foto: Berlin Partner
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Michaela Illmer arbeitet als Übersetzerin. Doch nicht Fremdsprachen sind ihr Metier, sondern das Kauderwelsch der Verwaltungen. „Es gibt häufig Missverständnisse zwischen Behörden und Betrieben“, sagt die 32-jährige Beraterin, die seit gut einem Jahr in Spandau unterwegs ist. Bevor sie nach Berlin kam, war sie in Oldenburg im Bereich Wissens- und Technologietransfer tätig. Nun sitzt sie im Rathaus Spandau und hat aber einen Arbeitsvertrag mit Berlin Partner; bezahlt wird sie also vom Land Berlin.

Illmer gehört zu dem gut ein Dutzend Berater umfassenden Unternehmensservice, einer neu geschaffenen Einheit in der Wirtschaftsförderung. Ihr Auftrag ist die Bestandspflege. Und in ihrem Fall betrifft das Betriebe in Spandau. „Es geht vielen ganz gut“, fasst sie ihre Erfahrungen nach mehr als 80 Besuchen bei Industriefirmen und Handwerkern zusammen. Eine ihrer Schwerpunktaufgaben: Viele Firmen suchen Platz zur Erweiterung ihrer Produktionsstätte. Ob es ums Vergrößern, Mieten, Kaufen oder Bauen geht – Illmer hilft.

„Man merkt schon, dass unheimlich viel in der Industrie weggebrochen ist“, beschreibt die Beraterin die Situation im Bezirk. „Aber es gibt viele kleine Schätze.“ Auch denen hilft sie bei den klassischen Instrumenten der Förderpolitik: Finanzierung und Förderung, Flächenbereitstellung und Mitarbeiterakquise. Und eben beim Gang durch die diversen Verwaltungen. Wenn der Bezirk zum Beispiel ein Grundstück für eine Firma erschließen will und dann plötzlich die Senatsverwaltung für Umwelt blockiert, versucht die junge Frau Illmer eine Lösung zu finden.

In Steglitz-Zehlendorf macht das Marc Pappert. Hier gibt es deutlich weniger Industrie als in Spandau, dafür aber die Freie Universität und im Bereich Gesundheitswirtschaft/Medizintechnik einige Institutionen und Unternehmen. Der 33- jährige Pappert hat in der Unternehmenskommunikation und der Werbebranche gearbeitet, nun kümmert er sich um die Betriebe im Südwesten – gemeinsam mit „Servicepartnern“, wie Pappert sagt. Gemeint sind die Kollegen der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB), die in Finanzierungsfragen helfen; die Arbeitsagentur, wenn Personal gebraucht wird, und der Liegenschaftsfonds des Landes, wenn es um Flächen geht. „Unsere Achillesferse“, sagt Pappert, es gibt kaum Industriegrundstücke. „Wir haben nunmal das Image eines Wohn- und Erholungsbezirks, und da muss manchmal die Verwaltung dafür sensibilisiert werden, dass es hier auch Unternehmen gibt.“

Pappert ist seit knapp zwei Jahren in Steglitz, mehr als 100 Unternehmen hat er zwischenzeitlich betreut und dabei ein Netzwerk von Ansprechpartnern aufgebaut, das ihm bei der Lösung von Problemen hilft. „Der Kunde merkt, da sind Leute, die sich um ihn kümmern“, sagt Pappert. Und das macht ihm Spaß. alf

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