Wirtschaft : Die neuen Tricks des Kommunikationsriesen

Karin Birk

Der liberalisierte Telefonmarkt und die sinkenden Preise machen der Deutschen Telekom schwer zu schaffen. Nun holt sie zum Befreiungsschlag aus und will von April nächsten Jahres an ihren privaten Wettbewerbern das Inkasso für die Telefonrechnungen verweigern. Damit versucht der einstige Monopolist, die Konkurrenz zu schwächen. Die Offensive der Telekom stößt bei den privaten Wettbewerbern, den Verbrauchern und der Regulierungsbehörde auf Widerstand. Denn sollte der Telefonriese sein Ansinnen wahr machen, hätte das unkomplizierte Call-by-Call-Verfahren kaum mehr Überlebenschancen.

Aus wäre es mit dem Herauspicken des billigsten Anbieters zu bestimmten Tages- und Nachtzeiten. Müsste jeder Verbraucher, wenn er die Telefonrechnung erhält, zuerst einmal sechs oder sieben Überweisungsbelege ausfüllen und die jeweiligen Gebühren überweisen, würde er dem Call-by-Call-Verfahren sicher schnell wieder den Rücken kehren. Zu umständlich, zu teuer wäre das Verfahren. Viele würden dann doch wieder ausschließlich mit der Telekom telefonieren. Der Preiskampf würde schwächer, wenn nicht gar ganz aufgehoben.

Die Errungenschaften der Liberalisierung dürfen nicht leichtfertig aufgehoben werden. Das gilt vor allem für das Call-by-Call-Verfahren. Denn zumindest so lange ein Großteil der Ortsnetze noch in den Händen der Telekom ist, wollen viele Kunden gar nicht vollständig zu einem privaten Anbieter wechseln. Dem Call-by-Call-Verfahren den Todesstoß zu versetzen, käme einem riesigen Rückschritt bei der Liberalisierung des Marktes gleich. Doch noch bleibt Hoffnung: die Regulierungsbehörde in Bonn. Die überwacht von Amts wegen sehr kritisch alle Versuche der Telekom, die private Konkurrenz durch die Hintertür wieder auszuschalten - wie jetzt in Sachen Inkasso.

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