Wirtschaft : Die Newex will den Wettbewerb mit dem Berliner Aktienmarkt aufnehmen

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Die Wiener Börse und die Deutsche Börse AG, Frankfurt (Main) werden ihre Zusammenarbeit vertiefen. Im Herbst starten beide mit der Newex in Wien die erste Börse, die speziell auf Unternehmen in Mittel- und Osteuropa zielt, ihnen den Zugang zu Kapital aus dem Westen erleichtern und westliche Anleger für diesen Markt gewinnen will. Dabei geht es der Newex, wie Aufsichtsratschef Ferdinand Lacina, am Donnerstag sagte, zunächst vor allem um Unternehmen aus Polen, Tschechien, Ungarn und Russland. Angestrebt werden auch Kooperationen mit den Börsen in den jeweiligen Ländern. Dass die Newex in Konkurrenz auch zur Berliner Börse tritt, die sich seit Jahren verstärkt um osteuropäische Aktien kümmert, betrachtet man in Frankfurt und Wien gelassen. Konkurrenz belebe auch bei den Börsen das Geschäft.

"Wir bringen den hohen technischen Standard aus Frankfurt mit der Marktkenntnis der Wiener Börse in Mittel- und Osteuropa zusammen", betont Österreichs Ex-Finanzminister Lacina. Nach Angaben von Newex-Vorstandsmitglied Erich Obersteiner wird die neue Börse vermutlich mit einigen Dutzend Unternehmen an den Start gehen. "Wir reden nicht von einer wahnsinnigen Größenordnung, mit der wir beginnen, weil wir auf Qualität setzen." Im übrigen betrachtet sich die Newex als Ergänzung zu den Heimatbörsen in den jeweiligen Ländern. Deswegen werden etliche Werte sowohl an der Newex als auch an ihren Heimatbörsen gelistet sein.

Die Zulassungskriterien für die Newex ähneln denen, die in Frankfurt für den Neuen Markt gelten. Die Unternehmen müssen unter anderem nach internationalen Standards bilanzieren, sie müssen Quartalsberichte vorlegen, die Altaktionäre dürfen nach der Börsennotierung bis zu neun Monate nicht verkaufen und ein Mindestanteil der Aktien muss breit gestreut sein. Auch die Newex läuft im übrigen über das Computerhandelssystem Xetra der Deutsche Börse AG. Allerdings wird die Newex ein eigenes, neues Marktmodell verwenden, das auf das vermutlich geringere Handelsvolumen mit osteuropäischen Aktien und auf das in der Regel mit diesen Papieren verbundene höhere Risiko Rücksicht nimmt. Weil die Qualitätslatte so hoch gelegt wird, werden die Börsengeschäfte an der Newex im übrigen für die Anleger teurer als in Frankfurt.

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