Wirtschaft : „Die niedrigen Zinsen bekommt man fast nie“

Verbraucherschützer warnen vor Krediten mit bonitätsabhängigen Preisspannen. Schufa-Auskunft bald gebührenfrei

Heike Jahberg
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Der einfachste Weg ist der falsche: „Der Dispokredit ist die teuerste Art, sich Geld zu leihen“, warnt Stephanie Pallasch, Kreditexpertin der Stiftung Warentest. Beispiel gefällig? 15,27 Prozent zahlt man bei der Commerzbank effektiv, wenn man sein Konto überzieht. 14,75 Prozent sind es in den Berliner Filialen der Deutschen Bank. Deutlich billiger: die Direktbank ING Diba, die nur 9,38 Prozent für den Dispo berechnet.

Aber auch bei der Onlinebank gibt es kostengünstigere Methoden, sich Geld zu leihen. Genauso flexibel wie der Dispo, aber deutlich günstiger sind nämlich die sogenannten Abrufkredite. Auch bei ihnen bekommt man einen Kreditrahmen. Den Kredit kann man jederzeit tilgen, wenn man zu Geld kommt. Aber auch hier sollte man verschiedene Angebote vergleichen.

Wer einen flexiblen Kredit von 10 000 Euro bei der ING Diba („Privatkredit“) aufnehmen will, kommt mit einem effektiven Zins von 8,03 Prozent (nominal: 7,75 Prozent) über die Runden, bei der Commerzbank („Flexicard“) sind es je nach Bonität 8,91 bis 14,46 Prozent nominal, das entspricht einem anfänglichen Effektivzins von 9,28 Prozent. Die Deutsche Bank verlangt für ihren „Rahmenkredit“ einen anfänglichen effektiven Jahreszins von 12,98 Prozent.

Weil die Abrufdarlehen flexibel und jederzeit rückzahlbar sind, liegen die Zinsen über denen der Ratenkredite. Diese gibt es – mit festem Zinssatz – für zwölf Monate bereits ab 4,44 Prozent effektivem Jahreszins. Auf den ersten Blick noch attraktiver wirken die Ratenkreditangebote der Banken, die ihre Kredite nach der individuellen Bonität des Kunden staffeln. Hier lockt die Citibank mit einem Niedrigzins von 3,99 Prozent (maximal 5,69) bei zwölfmonatiger Laufzeit, die Creditplus-Bank verlangt zwischen 4,3 und 11,5 Prozent. Auch viele andere Geldhäuser arbeiten mit flexiblen Zinssätzen. Das Problem: „Die niedrigen Zinsen bekommt man in der Praxis fast nie“, warnt Pallasch. Denn die seien reserviert für Kunden mit guter Bonität, die hohe Kreditsummen für kurze Zeit leihen. Beim Bundesverband deutscher Banken rät man Verbrauchern, dennoch ihr Glück mit den gestaffelten Kreditangeboten zu versuchen. „Jeder sollte schauen, wo er das günstigste Angebot bekommt“, empfiehlt Verbandssprecherin Tanja Beller. Doch das kann schiefgehen: Wer viel fragt, läuft Gefahr, als schlechtes Kreditrisiko abgestempelt zu werden.

Früher war das üblich: Die Schufa, die Bonitätsdaten der Bürger sammelt, wertete jeden auch noch so unverbindlichen Kreditgebührenvergleich als konkrete Kreditanfrage. Von Anfrage zu Anfrage verschlechterte sich der Score-Wert für die Bonität des Verbrauchers. Das sollte zwar eigentlich Geschichte sein, weil die Schufa Ende 2006 für unverbindliche Preisanfragen eine neue scoreunschädliche Konditionenabfrage eingeführt hat. Doch leider kann nicht jeder Bankberater mit diesem Instrumentarium umgehen.

„Bei unserem letzten Test haben 40 Prozent der Banken die Abfrage falsch behandelt, so dass sich der Score-Wert der Kunden erheblich verschlechtert hat“, warnt Stephanie Pallasch. „Achten Sie darauf, dass die Bank das von Ihnen angeforderte Kreditangebot als Konditionen- und nicht als Kreditanfrage an die Schufa weitergibt“, rät Henrich Blase vom Verbraucherportal MoneyWorld.de.

Mit einer Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes will das Innenministerium nun endlich Transparenz zu Gunsten der Kunden schaffen. Die Informations- und Auskunftsrechte der Betroffenen sollen erweitert und Fehler korrigiert werden. Auch soll jeder das Recht auf eine jährliche Gratisauskunft der Schufa über die gespeicherten Daten bekommen. Heike Jahberg

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