Wirtschaft : Die Nummer fürs Leben

Hannah Wilhelm

Zu Hause, im Büro, im Ferienhaus oder auf dem Handy: Im Prinzip ist jeder fast immer und überall zu erreichen - nur wann wählt man welche Nummer? Hinzu kommt: Durch Umzüge, Bürowechsel oder die Wahl eines neuen Mobilfunkanbieters ändern sich diese Telefonnummern auch immer wieder. Doch seit 1998 gibt es die "Nummer fürs Leben". Diese Nummer soll den Zahlensalat beenden und ihren Besitzer dauerhaft begleiten. Der Anrufer braucht sich keine Gedanken machen, wo er den gewünschten Gesprächspartner erreichen kann. Stattdessen wählt er nur eine Rufnummer, die mit der Vorwahl 0700 beginnt.

Kein Anruf geht verloren

Und das funktioniert so: Die 0700er-Nummer ist unabhängig vom Standort, vom Endgerät und von der Übertragungsart. Es ist eine virtuelle Nummer hinter der alle benötigten Anschlüsse zusammengeschaltet werden. Wählt jemand diese Nummer, versucht die Vermittlungstechnik, den gewünschten Gesprächspartner zu erreichen. Es geht also kein Anruf verloren.

In einer vorher vom Besitzer festgelegten Reihenfolge wählt die Vermittlungstechnik die Anschlüsse (zum Beispiel Büro, Mobiltelefon, Privat oder Anrufbeantworter) an. Sobald der Teilnehmer sich an einem der Anschlüsse meldet, wird das Gespräch an ihn weitergeleitet. Wann die Anrufe wohin weitergeleitet werden, welche Anrufer nie und welche immer durchgestellt werden, kann der Inhaber der 0700er-Nummer vorher festlegen. So kann er etwa bestimmen, dass bis acht Uhr morgens alle Anrufe auf den Privatanschluss durchgestellt werden und später dann direkt ins Büro. Auch Urlaubszeiten kann der Besitzer einprogrammieren und Telefonate ins Ausland weiterleiten.

Die 0700er-Nummer muss bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post beantragt werden. Die Registrierung kostet eine einmalige Gebühr von 125 Mark. Danach muss der Nutzer eine Telefongesellschaft mit der Freischaltung der 0700er-Nummer beauftragen. Diesen Service bieten unter anderem die Deutsche Telekom, Arcor, Mobilcom und Super24 an.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Inhaber ist leichter zu erreichen und Anrufer müssen sich nur eine und nie wieder eine neue Telefonnummer merken. Der Nachteil: die Kosten. Denn die "Nummer fürs Leben" hat ihren Preis - sowohl für den Anrufer als auch für den Angerufenen. Der Besitzer zahlt neben einer monatlichen Grundgebühr, die je nach Anbieter bis zu 24,50 Mark beträgt, auch die Kosten für die Weiterleitung des Anrufs von der 0700er-Nummer zum gewünschten Anschluss. Die Weiterleitung zu Festnetzanschlüssen in Deutschland ist fast immer kostenlos. Wird der Anruf jedoch auf ein Handy oder auf einen Anschluss im Ausland umgelegt, wird es teuer. Je nach Anbieter kostet das pro Minute mindestens 29 Pfennig. Aber auch der Anrufer zahlt mehr als im Festnetz sonst üblich: montags bis freitags von acht bis 18 Uhr 24 Pfennig pro Minute, sonst zwölf Pfennig.

"Es muss genau kalkuliert werden - für Privatpersonen lohnt sich das kaum", gibt Helga Zander-Hayat von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu Bedenken. Für Außendienstler und Freiberufler, die viel unterwegs sind, häufig in verschiedenen Büros oder bei Kunden arbeiten und immer erreichbar sein wollen, sei eine 0700er-Nummer eventuell empfehlenswert. "Aber ab November kommenden Jahres können Mobilfunkkunden auch bei einem Wechsel des Anbieters ihre alte Nummer mitnehmen. Das heißt, man hat die Handynummer fürs Leben und das ohne Weiterleitungskosten", sagt Zander-Hayat.

Komplizierte Einstellungen

Ein weiterer Nachteil der 0700er-Nummer: der Verwaltungsaufwand. Immerhin muss festgelegt werden, wann man auf welchem Anschluss erreichbar sein möchte und in welcher Reihenfolge die Anschlüsse angewählt werden sollen. Für technisch weniger geübte Nutzer kann die Änderung dieser Einstellungen durchaus eine große Herausforderung sein.

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