Wirtschaft : Die OECD hofft auf weiteres Wachstum - Kurs der Gemeinschaftswährung erholt sich leicht

abo

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht für die kommenden Jahre günstige Wachstumsperspektiven für die Wirtschaft in den Ländern der Euro-Zone. Um dauerhaftes Wachstum zu erreichen, müssten jedoch die Strukturreformen beschleunigt werden, schreibt die in Paris ansässige Organisation in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht zur Konjunktur in der Euro-Zone. Die OECD erwartet unverändert 2,8 Prozent Wachstum im laufenden Jahr, nach 2,1 Prozent für 1999. Die Aussichten bis einschließlich 2001 werden als gut bezeichnet.

Trotz des weiterhin sehr schwachen Euro - die Europäischen Zentralbank legte ihren Referenzkurs am Dienstag gegenüber dem Dollar mit 0,9714 (0,9639) Dollar fest - stellt die OECD den Vätern des Euro ein alles in allem gutes Zeugnis aus. Sie bezeichnet in ihrem Bericht die Startschwierigkeiten der europäischen Gemeinschaftswährung als überraschend gering. Anders als zur Einführung der Gemeinschaftswährung sei das Grundvertrauen in das neue Geld heute hoch und die gesamtwirtschaftlichen Aussichten für Euroland vielversprechend. Der Anstieg der Verbraucherpreise in Euroland werde voraussichtlich unterhalb der von der europäischen Zentralbank (EZB) selbstgesetzten Schwelle von zwei Prozent bleiben. Unterstützend wirke dabei die sich annährende Wirtschaftspolitik der Mitgliedsländer ebenso wie eine Beibehaltung der Lohndisziplin. Das werde tendenziell dazu beitragen, Arbeitsplätze zu schaffen und das Wachstum zu beflügeln. Weitere wirtschaftliche Fortschritte für Euroland verspricht sich die OECD von der Beseitigung von rechtlichen Hemmnissen für Unternehmensgründungen und der Privatisierung von Versorgungsnetzen und bisher öffentlichen Dienstleistungen.

Kurzfristige Risiken für die Mitgliedsländer des Eurosystems sieht die OECD vor allem außerhalb: Vor allem die Gefahr einer "harten Landung" der US-Wirtschaft macht den Experten Sorgen. Aber sie schließen auch nicht aus, dass die wirtschaftliche Erholung in Asien ins Stottern geraten könnte.

Gefahren, die von den Euroländern selbst ausgehen könnten, seien eher längerfristiger Natur, schreibt die OECD. So seien die Auswirkungen der geplanten EU-Erweiterung nur schwer abzuschätzen. Auch die Fiskalpolitik der heutigen Mitgliedsländer berge Risiken. Angesichts absehbarer zusätzlicher Lasten durch die Überalterung der Bevölkerung könnten die Regierungen mancher Länder in politische Zielkonflikte geraten, deutet der Bericht an. Dann werde es zunehmend schwieriger, die im Maastricht-Vertrag festgelegten Defizit- und Verschuldungskriterien einzuhalten.

Dennoch sieht die OECD die weitere Kursentwicklung des Euro durchaus zuversichtlich und widerspricht damit den damaligen Kritikern der Gemeinschaftswährung. Zwar hätten in der Tat die meisten Mitgliedsländer vor der Einführung des Euro eine Wachstumsdelle erlebt. Außerdem sei der Euro mit einem "euphorischen" Wechselkurs gestartet, was zusätzlich Druck ausgeübt habe. Dieser sei inzwischen zwar sehr stark gesunken, dennoch gebe es auch derzeit ein Steigerungspotential.

Auch nach Einschätzung von Hans Jürgen Koebnick, Mitglied im Zentralbankrat der Bundesbank und Präsident der Landeszentralbank in Rheinland-Pfalz und im Saarland, wird der Euro mit dem zu erwartenden konjunkturellen Aufschwung in der Euro-Zone wieder an Wert gewinnen. Derzeit gingen vom Euro-Kurs keine Inflationsgefahren aus, so Koebnick am Dienstag weiter. Auch werde die derzeitige Euro-Schwäche allein nicht den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhen, ihre Leitzinsen zu erhöhen oder Stützungskäufe zu unternehmen. Die EZB müsse den Wechselkurs zwar als einen Faktor, der das Preisniveau beeinflusst, berücksichtigen, dürfe sich aber kein Wechselkursziele setzen oder ein solches verfolgen, fügte er hinzu.

Man solle Geduld aufbringen, so Koebnick. Die fundamentale Erklärung für den Euro-Kurs liege nach wie vor in der unterschiedlichen konjunkturellen Entwicklung in den USA und der Euro-Zone. Der Bundesbanker kritisierte den seiner Meinung nach nur halbherzigen Fortgang der Strukturreformen in Europa. Dadurch würden die Erwartungen über die Geschwindigkeit des Aufschwungs in der Euro-Zone gebremst. "Europa hat seine Hausaufgaben noch immer nicht gemacht, sondern ist nur zum Teil auf dem richtigen Weg", sagte Koebnick. Die Geldversorgung in der Euro-Zone sei weiter reichlich. Auch nach den jüngsten Leitzinzerhöhungen müsse aber die Entwicklung sorgfältig beobachtet werden. Trotz der günstigen M 3-Entwicklung im Januar gebe es keine Entwarnung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben