Wirtschaft : Die ÖTV koppelt sich vom Bündnis ab (Kommentar)

Antje Sirleschtov

Nun also auch der Öffentliche Dienst. Fünf Prozent Gehaltswachstum in diesem Jahr: ÖTV-Chef Herbert Mai hat sich vom Bündnis für Arbeit abgekoppelt. Hatten die Gewerkschaften das Papier nicht mit unterschrieben, wonach in diesem Jahr die Lohn- an die Produktivitätsentwicklung zu koppeln sei? Darüber, was das in Zahlen heißt, wird man streiten können. Aber selbst Jürgen Kromphardt, Keynesianer und Mann der Gewerkschaften im Sachverständigenrat, beziffert den Produktivitätszuwachs auf eben mal zwei Prozent. Die ÖTV nimmt bei einer Forderung, die Bund, Länder und Gemeinden rund 20 Milliarden Mark pro Jahr kosten wird, nicht nur in Kauf, dass zum nächsten Weihnachtsfest noch mehr Bibliothekare und Kindergärtnerinnen ohne Job sein werden. Der Öffentliche Dienst läuft auch Gefahr, sich noch weiter von der gesellschaftlichen Realität in diesem Land zu entfernen. Denn viel einsichtiger, als man erwarten durfte, formieren sich die Interessengruppen in Deutschland hinter dem ehrgeizigen Ziel, eine Modernisierung der Gesellschaft durch Steuerreform und Sparpaket einzuläuten und dafür den Gürtel enger zu schnallen. Dass sich auch diejenigen, die in Deutschland das geringste Arbeitsplatzrisiko tragen, in diese Bewegung einreihen, hätte man erwarten dürfen.

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