Wirtschaft : Die organisierte Kriminalität nimmt auch in Deutschland zu

kr/HB/Hpf

Geldwäsche, Finanzkriminalität und Wirtschaftsverbrechen nehmen zu. Glaubt man Hans See, Professor an der Fachhochschule Frankfurt am Main, leidet auch die Bundesrepublik zunehmend unter den Folgen von Wirtschaftskriminalität, organisierter Kriminalität und Korruption. Sein Fazit: "Wirtschaftskriminalität ist an den meisten der heute kaum oder überhaupt nicht mehr lösbar erscheinenden sozialen und ökologischen Problemen unserer Zeit maßgeblich beteiligt."

Immerhin verwenden heutzutage auch Staat und Politik mehr Energie auf die Bekämpfung von Wirtschaftsverbrechen. Im Oktober 1989 hatte die EU-Kommission einen ersten Entwurf für eine Empfehlung zur Bekämpfung der Geldwäsche vorgelegt. Die Umsetzung in deutsches Recht erfolgte durch das Geldwäschegesetz, das seit November 1993 in Kraft ist und 1998 novelliert wurde. Bisher zeigt sich die EU-Kommission mit der Umsetzung im Euroland zufrieden, will aber weitere erkannte Mängel zukünftig abstellen.

Oberstaatsanwalt Günter Wittig, auf dessen Schreibtisch bei den Frankfurter Justizbehörden sämtliche Geldwäscheanzeigen der Banken landen, empfiehlt, alle Kräfte auf die Bekämpfung der organisierten Kriminalität zu konzentrieren. Nur wenn man die Gewinne abschöpfe, treffe man das organisierte Verbrechen an seinem Lebensnerv. Eine wirksame Strategie basiert nach Meinung von Wittig auf drei Pfeilern: Man müsse die finanziellen Transaktionen durchschauen, die Tätergruppe erkennen und die illegalen Gewinne einziehen.

Den Banken bescheinigt Wittig, sie hätten ihre Hausaufgaben gemacht. Die Qualität der Verdachtsanzeigen nehme ständig zu. Schwierig sei aber die Verfolgung, weil man nicht nur beweisen müsse, dass Geld gewaschen wird, sondern auch den Nachweis erbringen muss, aus welcher Straftat das Geld stammt. Die Mehrzahl der Anzeigen, so Wittig, beziehe sich auf die Laufkundschaft. Doch habe der Computer das Bankgeschäft und damit die Methoden der Geldwäsche verändert.

Auch Michael Findeisen, Leiter des Referats "Grundsatzfragen der Geldwäschebekämpfung" im Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, fordert, neue Wege bei der Bekämpfung der Geldwäsche einzuschlagen. Einbezogen werden müssten auch Anlagevermittler und Portfolioverwalter. Für Findeisen ist in Deutschland bei Geldwäsche und organisierter Kriminalität bislang nur die "Spitze des Eisbergs" erkennbar. Bei den "wirklich ausgebufften Geldwäschern" sei die legale Fassade oft so perfekt, dass ein Verdacht gar nicht erst aufkomme.

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