Wirtschaft : Die Pannen haben den Ruf ruiniert - mit jeder schlechten Nachricht sinkt der Absatz

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Viel Glück hat er wahrlich nicht gehabt, der Smart. Erst gab es ähnliche Standprobleme wie bei der A-Klasse: der Kleine kippte bei forschen Kurvenfahrten (Elchtest) auf die Seite, die Einführung musste verschoben, das Fahrwerk nachgebessert werden. Im Herbst letzten Jahres kam er dann auf den Markt - um kurz darauf auf schneeglatter Straße auszurutschen und sich auf den Hintern zu setzen. "Das Auto kann Männchen machen", höhnte damals der "Stern". Und wieder wurde nachgebessert. Die "Traktions- und Stabilitätskontrolle" (Trust), die den Kleinwagen eigentlich in der Spur halten sollte, bekam eine Software-Ergänzung (Trust plus). Parallel dazu wurden die Preise gesenkt und die Ausstattung verbessert. Doch der Ruf war ruiniert, die Absatzerwartung schrumpfte mit jeder schlechten Nachricht. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 140 000 Smart verkauft werden, dann ging es runter auf 120 000 und über 100 000 schließlich auf 80 000. Das sei "die unterste Linie", sagte der damalige Smart-Sprecher Wolfgang Rieke noch im Mai. Doch wenn die erreicht wird, dann nur über starke Rabatte und besondere Verkaufsaktionen. Trotzdem wird das schwierig: Ende August waren gerade mal 43 000 Smart verkauft. Doch Unternehmenssprecher Florian Moser ist optimistisch: Der Auftragsbestand sei gegenwärtig höher als die bisherigen Auslieferungen, sagte Moser am Freitag gegenüber dem Tagesspiegel. Allerdings sind schwarze Zahlen selbst mit 80 000 Exemplaren nicht zu erreichen. Ein Verlust in dreistelliger Millionenhöhe wird im laufenden Jahr befürchtet.

Der Smart-Verkauf über exklusive Vertriebspartner in Smart-Center läuft über eine Art Franchisesystem. Gegenwärtig gibt es europaweit 106 Centern, davon 42 in der Bundesrepublik. Erkennungsmerkmal ist der Turm: In einem 16 Meter hohen, einheitlich gestalteten "Cartower" werden die Wägelchen präsentiert. Nach Angaben Mosers geht es den Franchise-Nehmern ganz gut: "Viele sind über dem break-even."

Erfinder des Stadtautos mit Platz für zwei Personen und zwei Getränkekisten ist Nicolas Hayek. Nach jahrelanger Suche hatte der Schweizer 1994 mit Daimler-Benz einen Partner für die Micro Compact Car AG (MCC) gefunden. Daimler übernahm die Mehrheit, Hayek hielt anfänglich 19 Prozent. Aufgrund von Differenzen über Motortechnik und Vertriebsformen gab der Schweizer später seine Anteile an Daimler ab.

Inzwischen haben die Stuttgarter mehr als zwei Milliarden DM in das Auto gesteckt. Gegenwärtig verhandelt der Konzern mit dem französischen Autohersteller PSA über eine Partnerschaft, insbesondere über Teilelieferungen. Mit Hilfe der Franzosen könnte der Smart relativ schnell um einen Viersitzer, eine Roadster oder auch Minivan ergänzt werden.

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