Wirtschaft : "Die PDS betreibt eine sachorientierte Politik"

Herr Jagdfeld[müssen sich Investoren vor ein]

Anno August Jagdfeld (54) ist Immobilienentwickler und Eigentümer der Fondsgesellschaft Fundus. Bekannt wurde er durch den Bau des Hotels Adlon und des Quartiers 206 in der Friedrichstraße. Derzeit saniert er die Hotelanlage Heiligendamm an der Ostsee, die von 2003 an zum luxuriösesten Badeort Deutschlands avancieren soll.

Herr Jagdfeld, müssen sich Investoren vor einer Regierungsbeteiligung der Altkommunisten in Berlin fürchten?

Das kommt auf das Sachprogramm und die praktische Politik an. Die konkrete Gestaltungsverantwortung läßt ideologischen Schaum vor dem Mund glücklicherweise oft schnell verschwinden. Ich habe in Mecklenburg-Vorpommern von einer Regierung unter PDS-Beteiligung jedenfalls keine schlechtere Unterstützung erfahren als von einer CDU-geführten.

Das wundert uns. Schließlich bauen Sie in Heiligendamm eine Hotelanlage für reiche Kapitalisten.

Man muss mit den Verantwortlichen reden und sein Vorhaben erklären. Und wenn nicht gerade Wahlkampf ist, betreiben auch die PDS-Politiker eine sehr sachorientierte Politik. Unsere Hotelanlage direkt an der Ostseeküste wird eine Menge Arbeitsplätze schaffen. Nicht nur in der Anlage selbst, denn die Gäste werden auch in der Umgebung Geld ausgeben. Auch die PDS ist daran interessiert, dass die hohe Arbeitslosigkeit abgebaut wird.

Sie sind mit Immobilieprojekten in Berlin zurückhaltender geworden. Lohnt sich das Investieren in der Hauptstadt nicht mehr?

Wir sind mit unseren Investitionen in der Stadt für die nächsten Jahre gut beschäftigt. In Berlin gibt es insgesamt weit mehr Wohnungen und Büros als benötigt werden. Deshalb halten wir uns derzeit mit ganz neuen Vorhaben zurück.

Ist die Aufbruchstimmung, die der Regierungsumzug brachte, schon wieder vorbei?

Ich glaube nicht, dass sie vorbei ist, auch wenn insgesamt die Stimmung in den vergangenen Jahren kontinuierlich schlechter geworden ist. Im Tourismus gab es im Jahr 2000 noch einmal einen Boom. Doch die allgemeine wirtschaftliche Lage und auch die Ereignisse des 11. September drücken auf das Klima. Berlin ist in der Tat im Augenblick in einem Stimmungstief.

Wird das wirtschaftliche Stimmungstief der Stadt auch andere Bereiche wie Bildung und Kultur herunter ziehen?

Das denke ich nicht. Weltweit übt die Stadt eine Anziehungskraft auf Touristen und Künstler aus. Das hat viel mit dem Angebot und den Potenzialen zu tun. Berlin wird langfristig eine der interessantesten Städte bleiben, da bin ich ganz sicher. Auch, wenn noch nicht abzusehen ist, wie lange die wirtschaftliche Talfahrt anhält.

Wovon hängt die Erholung ab?

Von der Lösung der grundsätzlichen Probleme Deutschlands: Zu hohe Staatsqoute, Überregulierung und zu hohe Arbeitslosigkeit, auch wegen eines viel zu wenig flexiblen Arbeitsmarktes. Hier muss Deutschland von den Niederlanden, Dänemark und England lernen. Berlin hat im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland gewiss den Vorteil, dass die Stadt international bekannt ist. Aber der allgemeinen Lähmung der Wirtschaft in einem Land, das im europäischen Vergleich heute Schlusslicht ist, kann sich auch die Hauptstadt nicht entziehen.

Was kann die neue Landesregierung zur Belebung der Stadt tun?

Zuallererst muss sie die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich Menschen aus aller Welt von der Stadt angezogen fühlen, hier übernachten, hier das Kulturangebot wahrnehmen, gut essen und ihr Geld in interessanten Geschäften ausgeben. Das ist das wichtigste. Die privaten Investoren sind hier weit in Vorleistung gegangen. Mit Erfolg. Sehen Sie sich die Friedrichstraße und den Stadtbezirk Mitte an. Lange musste man bangen, ob die Region den Durchbruch überhaupt schaffen wird. Jetzt erkennt jeder sofort, dass dies das Zentrum einer Metropole ist. Mit allem, was dazu gehört. Von attraktivem Wohn- und Büroraum bis hin zu ausgefallener internationaler Küche.

Was steht auf der Wunschliste der Investoren für die neue Regierung ganz oben?

Berlin braucht rasch einen attraktiven Flughafen. Auch den Gedanken einer Olympia-Bewerbung würde ich nicht aufgeben. Das hebt die Stimmung spürbar. Das Thema Sicherheit ist ganz wichtig: man fühlt sich nur wohl, wo man sich auch sicher fühlt. Bei der Wirtschaftsförderung plädiere ich für Konzentration auf einige wenige Bereiche, wie Medien und Werbung. Das bringt ganz Berlin neuen Schwung. Dazu gehört auch mehr Zutrauen zu Privatinitiative und Unternehmertum und weniger bürokratische Gängelei.

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